Warum wir Fleisch essen, aber das Schlachten verdrängen


Schlachtprozess Vom Tier zum Fleisch (Foto: Joachim Sobek / Openlens)
Was in einem Schlachthof passiert, ist kein Geheimnis. Nur anschauen wollen es sich viele nicht, obwohl sie Fleisch essen. Ein Erklärungsversuch.


Von Markus C. Schulte von Drach|Süddeutsche.de

Die Bilder über diesem Text zeigen keine Missstände in der Lebensmittelindustrie auf, sie gehören zu keinem Skandal in der Landwirtschaft. Auch dokumentieren sie keine ungewöhnliche Brutalität und schon gar keine strafrechtlich zu belangende Tierquälerei.

Diese Aufnahmen zeigen einen alltäglichen Vorgang – einen Vorgang, der in Deutschland allein in den ersten drei Monaten 2015 insgesamt 15 Millionen Mal, also im Schnitt 166 667 Mal täglich, stattgefunden hat: die Schlachtung eines Schweins zur Fleischgewinnung. Das, was hier zu sehen ist, dient dazu, das Bedürfnis von Millionen von Deutschen zu befriedigen.

Bekannt, aber verdrängt

Und doch werden diese Bilder einige Menschen schockieren, manche werden sie als Zumutung empfinden. Das zeigen Beispiele: Ein dänischer Journalist etwa wird heftig dafür kritisiert, dass er während einer Radiosendung ein niedliches Kaninchen erschlägt, um es zu essen. Ein Sturm der Empörung bricht über den Kopenhagener Zoo herein, der eine Giraffe vor Publikum schlachten und an die Raubtiere verfüttern lässt. Und kaum eine Metzgerei oder Fleischfabrik lässt einen Fotografen ins Haus.

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