Kalif in Deutschland“: Die vermeintlichen Hüter des Islam exportieren Extremismus“


Anlässlich der jährlichen Versammlung der Ahmadiyya Muslim Jamaat auf der Karlsruher Messe besucht der Kalif seine deutsche Gemeinde von 37.000 Anhängern. | © dpa Picture-Alliance
Ein Kalif auf Deutschland-Besuch: Die Ungerechtigkeiten in der Welt nehmen überhand. Die größte Gefahr für künftige Generationen ist die Gottesferne, mahnt er.


Interview: Tahir Chaudhry|ZEIT ONLINE

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) versteht sich als eine Reformgemeinde innerhalb des Islam, wird aber von vielen sunnitischen und schiitischen Gruppen nicht als islamisch anerkannt. Gemeinhin gilt sie als liberal, aber wertkonservativ. 1889 wurde die Gemeinschaft von Mirza Ghulam Ahmad in Qadian (Indien) gegründet. Ahmad beanspruchte für sich, der von Mohammed prophezeite Messias und Mahdi zu sein. Seit über einem Jahrhundert führt dieser Anspruch dazu, dass die Gemeinde in vielen Teilen der islamischen Welt verfolgt wird. In Deutschland gilt sie als gut integriert, sozial engagiert und friedliebend. Dem spirituellen Oberhaupt der AMJ, Mirza Masroor Ahmad, folgen heute über 60 Millionen Muslime in über 200 Staaten. In diesen Tagen ist er auf Deutschland-Besuch. Für sein erstes Interview mit deutschen Medien treffen wir ihn in seinem Büro in der Frankfurter Gemeindezentrale.

ZEIT ONLINE: Geehrter Kalif, was schadet heutzutage dem Image des Islam am meisten?

Kalif Mirza Masroor Ahmad: Sie als Journalist müssten es doch eigentlich wissen (lacht): das Predigen von Gewalt und Fanatismus. Ein führender Funktionär des IS hat erst kürzlich in einer Videobotschaft propagiert, dass der Islam keine Religion der Liebe und Barmherzigkeit sei, sondern eine Religion des Terrors und der Gewalt.

Ein anderes Beispiel ist Saudi-Arabien, das den Anspruch erhebt, der Hüter der heiligen Stätten des Islam zu sein. Außerdem erhebt das Land den Anspruch, offen gegenüber allen Strömungen des Islams zu sein, die für die Pilgerfahrt in ihr Land reisen. Indessen kämpft Saudi-Arabien gegen den schiitischen Iran im Jemen. Wenn die Saudis behaupten, keiner bestimmten islamischen Strömung anzugehören, warum treten sie dann immer wieder sektiererisch auf? Die Saudis exportieren extremistische Ideologien und haben selbst radikale Salafisten und Wahhabiten hervorgebracht. Traurigerweise sind diejenigen, die sich als Hüter des Islam verstehen, die Exporteure des Extremismus.

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