Quantenphysiker: „Wir brauchen mehr Monty-Python-artige Physik“


foto: corn „Humor wird in der Wissenschaft unterschätzt“, meint Daniel Greenberger. Über das Paper mit Greenberg und dem fiktiven Greenbergest sagt er: „Man kann auch ernste Dinge mit ironischem Unterton machen.“
US-Physiker Daniel Greenberger hat mit Michael Horne und Anton Zeilinger ein wichtiges System der Quantenphysik entwickelt


Interview | Tanja Traxler|derStandard.at

STANDARD: 1993 haben Sie ein Paper mit Greenberg und Greenbergest verfasst – wie kam es zu dieser auffälligen Koautorenschaft?

Greenberger: Wally Greenberg ist ein bekannter Feldtheoretiker. Wir haben einst beim selben Professor am MIT gearbeitet und eine Zeitlang zusammengewohnt. An unserem Türschild stand damals Greenberg, darunter Greenberger. Einmal haben wir eine Party gegeben, und danach stand Greenbergest darunter. So beschlossen wir, einmal ein Paper als Greenberg, Greenberger, Greenbergest zu schreiben. Wir haben in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet, deswegen war das nicht sehr wahrscheinlich, aber zehn oder fünfzehn Jahre später war es so weit. Von einem guten Freund haben wir die Erlaubnis bekommen, Greenbergest als fiktives Fakultätsmitglied seiner Uni zu nennen. Und interessanterweise wird das Greenberg-Greenberger-Greenbergest-Paper immer wieder zitiert, es ist eine seriöse Arbeit.

STANDARD: Wie beurteilen Sie das Verhältnis von Humor und seriöser Wissenschaft. Wird derlei Scherzen genug Platz eingeräumt?

Greenberger: Humor wird in der Wissenschaft unterschätzt. Ich denke sehr gerne über Theorien nach, die wahr sein könnten, vielleicht aber rein spekulativ sind. Ich habe zum Beispiel eine Gravitationstheorie, die ich Tic-Tac-Toe-Theorie nenne. Man kann auch ernste Dinge mit einem ironischen Unterton machen. Humor wird in der Wissenschaft viel zu wenig genutzt, dabei kann er ein guter Begleiter von Skepsis sein. Häufig ist Humor in der Wissenschaft beliebig und nicht sehr witzig wie die humoristischen IG- Nobelpreise. Es sollte mehr ausgereiften Humor geben, wir brauchen mehr Monty-Python-artige Physik.

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