„Genosse Sigmar Gabriel hätte ich persönlich zum Duell gefordert!“


Ferdinand Lassalle (1860)
Interview mit Ferdinand Lassalle zur geplanten Neugründung der SPD
Der Sozialreformer, Rechtsphilosoph und Dramatiker Ferdinand Lassalle strebt eine Neugründung der sozialdemokratischen Partei (SPD) an, weil er die Ideale u.a. der Arbeiterbewegung verraten sieht. Telepolis-Gespräch mit Lassalle über dessen Verhältnis zur ältesten deutschen Volkspartei.


Von Markus Kompa|TELEPOLIS

Herr Lasalle, Sie wollen demnächst die Sozialdemokratische Partei Deutschlands neugründen. Haben wir denn nicht schon eine?

Ferdinand Lassalle: Formaliter: Ja! Realiter: Nein! Und daher werden wir zunächst provisorisch den Sozialistischen Arbeiterverein von 1863 neugründen, aus dem ja 1875 die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hervorgegangen ist. § 4 Parteiengesetz schreibt nämlich vor, dass sich der Name einer neuen Partei von dem einer bereits bestehenden Partei deutlich unterscheiden muss.

Wir werden dann die SPD wegen irreführender Werbung abmahnen und auf Unterlassung des Namens „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ in Anspruch nehmen. Wenn der Name wieder frei wird, werden wir diesen als erworbenes Recht für uns beanspruchen!

Was kritisieren Sie denn an der bisherigen SPD?

Ferdinand Lassalle: Zunächst bestehe ich darauf, diese bourgeoisen Hochstapler fortan als „Nicht-SPD“ zu bezeichnen. Meine Probleme begannen bereits 1918 mit der Rolle der SPD gegen den Spartakus-Aufstand. Die Verwicklung in die Ermordung der Genossin Rosa Luxemburg und des Genossen Karl Liebknecht sehe ich sehr kritisch. Große Bauchschmerzen hatte ich auch mit dem Nato-Doppelbeschluss von Kanzler Genosse Helmut Schmidt.

Als glühender Verfechter von Redefreiheit und Demokratie konnte ich mich vor allem nicht mit einem „Basta“-Kanzler wie dem Genossen Gerhard Schröder identifizieren. Indem die SPD den einstigen Sozialstaat zur Hartz-4-Diktatur pervertiert und den freien Arbeiter damit zum Bittsteller entwürdigt hat, hat sie ihre Klientel aus Arbeiterschaft und Proletariat verraten. Salonsozialist Genosse Peer Steinbrück war nicht einmal salonfähig.

Seit der Mitwirkung am Tarifeinheitsgesetz sind aus meiner Sicht in der Nicht-SPD die letzten Spurenelemente von Sozialdemokratie beseitigt. Die Schwächung kleinerer Gewerkschaften ist unsolidarisches Verhalten. Und schließlich: Wer möchte sich für eine Partei verwenden, die unwidersprochen Verräterpartei genannte wird?

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