Islam in Deutschland: Gegen YouTube hat der Imam es schwer


Abu Ahmad Jakobi | © Lucas Wahl für DIE ZEIT
Imam Abu Ahmad Jakobi unterrichtet in Hamburg deutschsprachige Koranklassen. Seine größte Aufgabe sieht er heute darin, Teenager von Radikalen fernzuhalten.

Von Annabel Trautwein|ZEIT ONLINE

„Prädestination“. Der Filzstift quietscht auf dem Whiteboard, der Imam dreht sich um und blickt in ein Dutzend ratloser jugendlicher Gesichter. Prädestination, das heißt Vorherbestimmung, darüber haben sie sich schon in der letzten Koranstunde den Kopf zerbrochen. Die Mädchen hören auf zu tuscheln, in der Reihe der Jungs erlöschen die Handydisplays, einige blättern im Koran. Vor den Fenstern der Camii-Moschee senkt sich die Sonne über Bergedorf. Es ist Freitagabend, fast schon Wochenende, und da kommt er ihnen mit seinem theologischen Denksport.

Abu Ahmad Jakobi verschränkt die Arme, reibt seinen weißen Stoppelbart und wartet. Er könnte es ihnen leicht machen, selbst referieren und sie später abfragen. Aber in seinem Unterricht müssen die Schüler selber denken. Er nickt zwei Mädchen zu: „Ihr hattet dazu eine Frage, nicht? Haben wir Menschen einen freien Willen, oder ist alles schon vorherbestimmt?“ „Es ist vorherbestimmt“, meint eine der beiden Schülerinnen. „Aber wir können trotzdem selbst entscheiden.“ Jakobi lächelt und sagt: „Das ist es, was wir heute herausfinden wollen.“

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