Ausstellung „Gehorsam“: Das grausame Opfer des Abraham


Der britische Regisseur Peter Greenaway und die niederländische Regisseurin Saskia Boddeke im Jüdischen Museum im Engelsraum der Ausstellung „Gehorsam. Eine Installation in 15 Räumen“ (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
In der Bibel fordert Gott von Abraham, dessen einzigen Sohn als Beweis für seinen Gehorsam zu opfern. Der Künstler Peter Greenaway und seine Frau haben die Geschichte im Jüdischen Museum Berlin in eine spektakuläre Rauminstallation übersetzt.

Von Carsten Dippel|Deutschlandradio Kultur

Es ist eine düstere, ja verstörende Szenerie, die sich im ersten Buch Moses auf dem Berg Morija abspielt. Gott fordert von Abraham Ungeheuerliches: Er soll Isaak, den einzigen Sohn als Beweis für seinen unbedingten Gehorsam opfern. Abraham gehorcht tatsächlich, doch in letzter Sekunde hält ihn ein Engel zurück. An die Stelle des Menschenopfers tritt ein Widder. Gott verspricht Abraham daraufhin seinen Segen und eine große Nachkommenschaft.

„Im Kern dieser Geschichte geht es um die fürchterliche Idee, dass ein Mann seinen Sohn opfern, seinen eigenen Sohn töten soll.“

Peter Greenaway ist bekannt für die visuelle Opulenz, mit der er sich in seinen Filmen und Kunst existenziellen Stoffen zuwendet. Für das Jüdische Museum Berlin hat der exzentrische Regisseur nun gemeinsam mit seiner Frau, der Multimediakünstlerin Saskia Boddeke, die mythische Geschichte um Abraham, Isaak und Ismael in eine bildgewaltige, kraftvolle, ja spektakuläre Rauminstallation übersetzt.

„Wir haben versucht, eine Ausstellung zu kreieren, die ein Gefühl gibt für Manipulation, Interpretation, Subjektivität. Es ist nicht nur eine Ausstellung mit Artefakten, sondern der Atmosphären, der Gerüche, Choreografie, Musik. So eine Art Gesamtkunstwerk.“

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2 Comments

  1. Das war aber nur ein göttlicher Streich, obschon Abraham Isaak widerspruchslos abgeschlachtet hätte (was ein bezeichnendes Bild auf die Anhänger dieses Gottes wirft), anders als bei Jeftahs Tochter – eine Geschichte, die in Kinderbibeln und im Gottesdienst seltsamerweise seltener auftaucht als die Abrahams und Isaaks:

    29 Da kam der Geist des HERRN auf Jephthah, und er zog durch Gilead und Manasse und durch Mizpe, das in Gilead liegt, und von Mizpe, das in Gilead liegt auf die Kinder Ammon. 30 Und Jephthah gelobte dem HERRN ein Gelübde und sprach: Gibst du die Kinder Ammon in meine Hand: 31 was zu meiner Haustür heraus mir entgegengeht, wenn ich mit Frieden wiederkomme von den Kindern Ammon, das soll des HERRN sein, und ich will’s zum Brandopfer opfern. 32 Also zog Jephthah auf die Kinder Ammon, wider sie zu streiten. Und der HERR gab sie in seine Hände. 33 Und er schlug sie von Aroer an, bis wo man kommt gen Minnith, zwanzig Städte, und bis an den Plan der Weinberge, eine sehr große Schlacht. Und wurden also die Kinder Ammon gedemütigt vor den Kindern Israel. 34 Da nun Jephthah kam gen Mizpa zu seinem Hause, siehe, da geht seine Tochter heraus ihm entgegen mit Pauken und Reigen; und sie war sein einziges Kind, und er hatte sonst keinen Sohn noch Tochter. 35 Und da er sie sah, zerriß er seine Kleider und sprach: Ach, meine Tochter, wie beugst du mich und betrübst mich! Denn ich habe meinen Mund aufgetan gegen den HERRN und kann’s nicht widerrufen. 36 Sie aber sprach: Mein Vater, hast du deinen Mund aufgetan gegen den HERRN, so tue mir, wie es aus deinem Mund gegangen ist, nachdem der HERR dich gerächt hat an deinen Feinden, den Kindern Ammon. 37 Und sie sprach zu ihrem Vater: Du wollest mir das tun, daß du mir lassest zwei Monate, daß ich von hinnen hinabgehe auf die Berge und meine Jungfrauschaft beweine mit meinen Gespielen. 38 Er sprach: Gehe hin! und ließ sie zwei Monate gehen. Da ging sie hin mit ihren Gespielen und beweinte ihre Jungfrauschaft auf den Bergen. 39 Und nach zwei Monaten kam sie wieder zu ihrem Vater. Und er tat ihr, wie er gelobt hatte; und sie war nie eines Mannes schuldig geworden. Und es ward eine Gewohnheit in Israel, 40 daß die Töchter Israel jährlich hingehen, zu klagen um die Tochter Jephthahs, des Gileaditers, des Jahres vier Tage. (Richter 11:29-40) http://antitheismus.de/archives/214-Weltgebetstag-2015.html

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