NSU-Untersuchungsausschuss: Blutschwur in weißer Kutte


Das gab es zur Jahreswende 2001/2002 tatsächlich: Polizisten in der Kutte des rassistischen Ku-Klux-Klans. Die Aufnahme in den Klan wurde mit einem Fingerabdruck mit dem eigenen Blut besiegelt. Foto: dpa
Was treibt einen Polizisten zum Ku-Klux-Klan? Er sagt: Interessante Vorträge über das Christentum. Bleibt die Frage, ob ihm die Abgeordneten des NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags in Stuttgart das abnehmen werden.

Von Reiner Ruf|Stuttgarter Zeitung.de

Die Kutten kamen aus den USA, um die 50 Euro sollen sie gekostet haben, und der Titel, mit dem sich Steffen B. beim Ku-Klux-Klan (KKK) seinerzeit schmückte, war ebenfalls dem großen Vorbild jenseits des Atlantiks abgeschaut: Grand Knighthawk. Damit füllte der heute 39-Jährige aus Schwäbisch Hall die Funktion des KKK-Sicherheitsbeauftragten aus. Er sollte darauf achten, dass die Kuttentruppe nicht gestört wurde, wenn sie sich mal wieder in Burgverliesen oder auch nur im Keller von Achim Schmid trafen, dem Anführer des European White Knights of the Ku-Klux-Klan (EWK KKK). Knapp 20 Personen werden der Rassistengruppierung zugerechnet.

Achim Schmid hat sich inzwischen von seiner rechtsradikalen Vergangenheit zumindest nach außen hin distanziert. Er lebt in den Vereinigten Staaten, strebt die US-Staatsbürgerschaft an und kann deshalb nach eigenen Angaben das Land derzeit nicht verlassen. Die Vernehmung durch den NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags soll deshalb demnächst per Videoschaltung bewerkstelligt werden. Statt seiner tritt Steffen B. am Montag vor den Ausschuss. Die Hände ineinander gelegt, den Blick zur Decke gerichtet, maulfaul. So sitzt er vor den Abgeordneten, eine schwere, zottelbärtige Gestalt. „Man war halt jung“, sagt er zu seinem Treiben bei den Kapuzenträgern und später bei der NPD. „Man“ habe sich aber nicht groß was zu Schulden kommen lassen. Mit den Leuten vom Ku-Klux-Klan verhielt es sich laut Steffen B. so: Wenn es „menschlich gepasst“ hat, dann war man willkommen.

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