Sloweniens Philosophie-„Enfant terrible“ Slavoj Žižek im Gespräch


Slavoj Žižek bei der Vorstellung seines Buches „Blasphemische Gedanken“ auf der Leipziger Buchmesse 2015. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0
Der umstrittene slowenische Philosophie-Star Slavoj Žižek mag: Cola Zero, die Idee der Leitkultur, das richtige Maß an Entfremdung, Witze, Yanis Varoufakis und einen starken Staat. Linksliberale politische Korrektheit und Bernard-Henri Lévy mag er nicht.

Von Robert Treichler, Stefan Grissemann|profil.at

profil: Sie bestellen frühmorgens schon Cola Zero?
Slavoj Žižek: Warum nicht? Das ist übrigens ein sehr interessantes Getränk. Ich kenne einen auf Jacques Lacan spezialisierten Psychoanalytiker in Atlanta, dessen Bruder im Coca-Cola-Konzern arbeitet. Dort hat man entdeckt, dass Männer einen starken Widerstand gegen die Light-Variante verspüren, die ihnen zu feminin erscheint. Sie ertragen nur das Radikale, das Dunkle, die absolute Kalorien-Null: Coke Zero. Sehr stalinistisch!

profil: Nun hat man Ihnen leider gerade ein Cola Light hingestellt. Das Feminine daran stört Sie hoffentlich nicht?
Žižek: Mir ist das völlig egal.

profil: Sehr tolerant!
Žižek: Ja, aber genau das ist auch mein Problem. Ich versuche in der Öffentlichkeit, einen Stalinisten darzustellen, aber inzwischen weiß leider jeder, dass ich privat nichts als ein braver Liberaler bin.

profil: Ein Softdrink-Schwächling.
Žižek: Ja, ich bin so verdammt liberal, meine Güte! Trotzdem gibt es immer noch Feuilletonisten, die mir die fürchterlichsten Dinge unterstellen: dass ich pro Al-Kaida sei, einen neuen Holocaust befürworte, unablässig nur die Gewalt feiere. Unglaublich.

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