Idealisierender Blick auf Luther


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Im Judentum hat nach Ansicht des Religionswissenschaftlers Christian Wiese lange Zeit ein weitgehend positives Lutherbild existiert. Vor allem das Reformjudentum des 19. Jahrhunderts habe in Martin Luther ein Vorbild für eine „jüdische Reformation“ gesehen, sagte der evangelische Theologe in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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„Es sind hier immer wieder sehr positive Stimmen zu finden, die Luther als Vorläufer von Gewissensfreiheit, Toleranz und Aufklärung verstanden.“ Die antisemitischen Äußerungen Luthers seien lange Zeit ausgeklammert worden.

Am Mittwochabend beginnt in Berlin eine Tagung des Zentralrates der Juden und der Evangelischen Akademie zur jüdischen Perspektive auf Luther. Wiese warnte davor, die positiven Stimmen im Judentum zu verwenden, um zu belegen, dass der frühe Luther „aus jüdischer Perspektive gar nicht so schlimm gewesen sei“. Denn diese Deutung habe den historischen Kontext nicht im Blick. „Es war der verzweifelte Versuch, dazuzugehören und sich mit der Figur Luther zu identifizieren.“ Die jüdischen Gelehrten hätten versucht, Luther besser zu verstehen als der Protestantismus ihn verstand.

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