Polizist: „Die Gewalt hat System“


„Gezielt losgezogen“: Polizisten im Einsatz auf der Georgstraße. Quelle: Schaarschmidt (Archiv)
Die gewaltsamen Übergriffe eines Bundespolizisten auf zwei Flüchtlinge in Hannover sind kein Einzelfall. Das behauptet ein Beamter der Polizeidirektion der Landeshauptstadt im Gespräch mit der HAZ. Vier seiner Kollegen und er hätten über Jahre hinweg Ausländer misshandelt.

Von Tobias Morchner, Jörn Kießler|Hannoversche Allgemeine

Schwarzafrikaner sollen geschlagen und mit Reizgas attackiert worden sein. Die Täter seien nicht zur Rechenschaft gezogen worden, weil sie sich gegenseitig geschützt hätten. Dies sei ein „System“ gewesen. Beamte sollen Festnahmeprotokolle gefälscht haben. „Es ist nicht die Ausnahme, dass Beamte im Dienst Straftaten begehen“, sagt Thomas Wüppesahl von der Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten. „Es ist die Ausnahme, wenn es bekannt wird.“

Die Polizeidirektion Hannover kennt den Fall nicht. Sie verweist auf ihre umfangreichen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, in denen neben Deeskalationstraining auch die Rolle und das Selbstverständnis der Beamten thematisiert werden. „Ich erwarte von jeder Kollegin und jedem Kollegen die Courage, solche Vorfälle umgehend zu melden“, sagt Polizeipräsident Volker Kluwe.

„Wo das Herschelrecht gilt“

Die Stimme des Beamten Thomas S. (Name geändert) ist fest. Ruhig berichte er von seinen Vergehen im Dienst. Mehrfache Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, Vernichtung von Dokumenten – diese und weitere Straftaten hat er über Jahre hinweg gemeinsam mit Kollegen begangen, wie er sagt. „Heute tut mir das unendlich leid“, erklärt S.. Die Konsequenzen für seine Taten bekam er allerdings nicht zu spüren, weil die Vorfälle nicht bekannt wurden, da die Beamten alles geschickt vertuschten. Thomas S. ist bis heute Polizist in Hannover.

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