Vorchristlichen Wurzeln des modernen Antisemitismus auf der Spur


Zwangsarbeit der Israeliten. Bild: schule.judentum.de
Einer aktuellen Studie zufolge sind heute noch 12,5 Prozent aller Österreicher der Meinung, „die Juden“ seien verantwortlich für den Tod von Jesus Christus. Vorurteile und antisemitische Klischees wie dieses haben eine lange Geschichte – sie kamen teils bereits in antiken Texten vor, wie Judaist Armin Lange erklärt. Eine Konferenz an der Uni Wien begibt sich Mittwoch und Donnerstag auf Spurensuche

derStandard.at

Tradition der Verteufelung reicht lange zurück

„Man kann modernem Antisemitismus nur begegnen, wenn man seine lange Geschichte kennt“, meint Lange. Und diese reicht etwa bis 300 vor unserer Zeitrechnung zurück, als die ersten antiken Autoren das jüdische Volk zum Thema machten. „Alttestamentarische Geschichten wurden persifliert oder derart nacherzählt, dass keinerlei Sympathie für das jüdische Volk möglich war“, berichtete der Judaist. So etwa die Exodus-Erzählung, die vom Auszug des auserwählten Volkes aus Ägypten zu einer Geschichte „von Leprakranken, die aus dem Pharaonenreich geschmissen werden, mutierte“, so Lange, Professor am Institut für Judaistik der Uni Wien.

Schon in den ersten Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung sei das jüdische Volk verteufelt worden. So sei beispielsweise suggeriert worden, dass die Juden in Verbindung mit dem ägyptischen bzw. griechischen Chaosgott stünden – eine Tradition, die im Christentum durchaus übernommen und fortgesetzt wurde. So bezeichnet das Johannesevangelium Juden etwa als „Söhne des Teufels“. Zudem seien sie für die Kreuzigung von Jesus verantwortlich gemacht worden, so der Wissenschafter.

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