„Teil des Systems“: Kirchliche Verbände erinnern selbstkritisch an NS-Verbrechen


Propaganda der "Deutschen Christen" in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Propaganda der „Deutschen Christen“ in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben Diakonie und Caritas an die Verbrechen der Nazis an Kranken und Behinderten erinnert. Dabei verschwiegen sie die Rolle ihrer Organisationen nicht, die sich zwischen Anpassung und Widerstand bewegten.


evangelisch.de

Mit einer Gedenkveranstaltung haben die kirchlichen Verbände Diakonie und Caritas an die kranken und behinderten Opfer des NS-Rassenwahns erinnert. Eugenik und Euthanasie stünden für barbarische Vernichtung, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) als Gastrednerin bei der Veranstaltung am Donnerstagabend im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie und Caritas-Präsident Peter Neher betonten in ihren Reden die Verwicklung der kirchlichen Verbände in die Verbrechen.

„Die evangelische Diakonie verstand sich nicht nur im Weimarer Wohlfahrtsstaat, sondern auch im autoritären Fürsorgestaat der Nationalsozialisten als Teil des sozialpolitischen Systems“, sagte Lilie. Den wenigen mutigen Beispielen von Widerstand stehe die überwiegende und durchgängige Praxis der Anpassung und Mitwirkung gegenüber. Weite Teile der Inneren Mission, aus der die Diakonie hervorgegangen ist, hätten die Machtübernahme der Nationalsozialisten begrüßt.