Faschismus in der AfD?


Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Andreas Kemper arbeitet als Doktorand der Universität Münster zum Thema Klassismus. Er publiziert zum organisierten Antifeminismus und zu Klassendiskriminierung. Zuletzt erschien von ihm Rechte Euro-Rebellion. Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e.V. und Sarrazins Correctness. Ideologie und Tradition der Menschen- und Bevölkerungskorrekturen.


Von Jens Wernicke|TELEPOLIS

Herr Kemper, soeben wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Ihre neue Studie „Zur Differenz von Konservativismus und Faschismus am Beispiel der ‚Historischen Mission‘ Björn Höckes (AfD)“ publiziert, in welcher Sie dem prominenten Frontmann der AfD die Verwendung von Ideologiefragmenten, Argumentationsstrukturen und Metaphern der Neuen Rechten nachweisen. Was ist darunter zu verstehen? Und wie „rechts“ ist die AfD und ist Björn Höcke Ihrer Analyse nach?

Andreas Kemper: Björn Höcke ist Landesfraktionschef der AfD im Thüringer Landtag und gehört zur „unbedingten“ jungkonservativen Neuen Rechten um Götz Kubitschek, die einen anderen Staat wollen. Ihrer Ansicht nach befindet sich Deutschland in einem Zustand des Verfalls, aus dem es mit einer konservativen Revolution neu auferstehen muss. Die, wie Höcke argumentiert, „siebzigjährige Neurotisierung“ bzw. „Umerziehung“ mit ihren „Gesellschaftsexperimenten“ müsse endlich beendet werden.

Innerhalb der AfD hat Björn Höcke eine Sammlungsbewegung mit dem Namen „Der Flügel“ mit circa 1.800 Anhängern aufgebaut. Kritiker dieser Bewegung wurden aus der Landesfraktion der AfD umgehend entfernt und es gab einen Putsch in der Jungen Alternative gegen den erst kurz zuvor demokratisch gewählten Vorstandssprecher, weil dieser Höcke kritisierte. Daraufhin musste er gehen. Die Ideologie, die Höcke vertritt und für die sein Wirken steht, kann mit der Definition des renommierten Faschismustheoretikers Roger Griffin dabei wissenschaftlich fundiert als faschistisch bezeichnet werden.

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