Kurden werfen Türkei Kriegsverbrechen vor


Auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien sind diese Menschen an der Grenze zur Türkei gestrandet – doch die lässt sie nicht einreisen. Verzweifelt bitten sie um etwas Wasser. – Foto: AFP
Ein neues Kobane? An der Grenze zu Syrien warteten in den vergangenen Tagen mehrere tausend Flüchtlinge darauf, in die Türkei gelassen zu werden. Die türkischen Behörden verweigerten ihnen den Grenzübertritt – darauf erschienen IS-Kämpfer und drängten die Menschen zurück. Türkische Soldaten griffen nicht ein. Deshalb ist in kurdischen Medien nun von einem „Kriegsverbrechen“ der Türken die Rede.


Von Thomas Seibert|DER TAGESSPIEGEL

An der syrisch-türkischen Grenze hat sich am Sonntag ein neues Flüchtlingsdrama abgespielt. Tausende Bewohner der Gegend um die Grenzstadt Tal Abyad, die sich am Grenzübergang versammelt hatten, um in die Türkei zu gelangen, wurden von den türkischen Sicherheitskräften zunächst abgewiesen. Erst nach langem Warten in 35 Grad Sommerhitze konnten die Menschen auf eine Einreise in die Türkei hoffen. Wie beim international kritisierten Stillhalten der Türkei bei den Kämpfen um die nordsyrische Stadt Kobane spielt auch im Fall Tal Abyad das Misstrauen Ankaras gegenüber den syrischen Kurden eine große Rolle.
In der Umgebung von Tal Abyad rücken Verbände der Kurdenmiliz YPG, ein Ableger der türkisch-kurdischen Rebellengruppe PKK, gegen die Dschihadisten-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) vor. Unterstützt werden sie dabei von Luftangriffen der USA und deren Verbündeten. Eine Einnahme von Tal Abyad durch die Kurden würde die direkte Verbindung zwischen der Türkei und Rakka, der Hauptstadt des IS-„Kalifats“ in Syrien und Irak, unterbrechen und für den IS den Nachschub und den illegalen Ölexport in die Türkei erschweren. Außerdem könnten die syrischen Kurden mit einem solchen Erfolg eine Verbindung zwischen zwei ihrer Siedlungsgebiete in Nordsyrien herstellen.

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