Magna Carta: Als die Macht verlieren lernte


Aktuell bis heute: Das Volk – damals auschließlich repräsentiert durch den Adel – zwingt den König zum Unterschreiben der Magna Carta und damit zur Machtabgabe und Gewährung von Freiheiten. In Wahrheit setzte Majestät allerdings sein Siegel darunter Foto: Stapleton Historical Collection/Heritage Images/picture alliance
In der Magna Carta unterwarf sich vor 800 Jahren zum ersten Mal ein König dem Gesetz. Der Papst tobte, Nachkommen widerriefen. Doch der Rechtsstaat war nicht mehr aufzuhalten


Von Thomas Kielinger|DIE WELT

Fast hat man es über Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky vergessen. Aber 1994, vier Jahre, bevor dieser Skandal über das Weiße Haus hereinbrach, strengte Paula Jones, eine Angestellte in der Regierung von Arkansas, einen Prozess gegen den ehemaligen Gouverneur des Bundesstaats, Clinton, an. Er habe sich ihr gegenüber 1991 in einem Hotel in Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas, „entblößt“ und sei wegen sexueller Belästigung anzuklagen. Ms. Jones hatte den Vorfall drei Jahre lang für sich behalten, aber eine Enthüllungsstory im Magazin „The American Spectator“ drängte sie schließlich dazu, gegen Bill Clinton vorzugehen.

Die Anwälte des Präsidenten plädierten für den Aufschub des Verfahrens – mit dem Argument, ein Präsident könne in seiner wichtigen Amtsausübung nicht mit einer Zivilklage behelligt werden, die sich auf einen Vorgang vor seiner Zeit im Weißen Haus bezog. Doch Bundesrichterin Susan Webber Wright widersprach Clintons Anwälten und gab den Rechtsweg frei – der kam erst 1997 mit einem außergerichtlichen Vergleich zu einem Ende. Die Begründung der Richterin damals: Ein Aufschub „stünde im Widerspruch zu unserer Art von Regierungsform, die – wie die Engländer in der Magna Carta und der Petition des Rechts von 1628 festlegten – fordert, dass auch der Souverän Gott und dem Gesetz unterworfen ist“.

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