Andreas Nachama „Wir brauchen einen Antisemitismusbeauftragten“


Aktivisten demonstrieren aus Anlass des Gazakriegs im Juli 2014 bei einer Kundgebung linker und kurdischer Gruppen am Kottbuser Tor in Berlin mit einem Schild „Israel is real… – Foto: dpa
Andreas Nachama von der „Topographie des Terrors“ über Judenfeindlichkeit und Salon-Antisemitismus, der bis in die Mitte der Gesellschaft reicht.


Von Christian Böhme|DER TAGESSPIEGEL

Herr Nachama, braucht eine Antisemitismus-Expertenrunde zwingend eine jüdische Perspektive?

Darum kommt man wohl kaum herum. Schließlich richtet sich der Hass der Antisemiten gegen Juden. Bei einer Kommission, die sich mit Islamfeindlichkeit beschäftigt, sollten ja auch sinnvollerweise Muslime beteiligt sein. In Deutschland gibt es etwa 100000 Juden, die in Gemeinden organisiert sind. Auf ihre Einschätzung, ihre Erfahrungen mit antisemitischen Ressentiments kommt es an.

Dennoch sollte die neue Antisemitismus-Kommission des Bundesinnenministeriums zunächst ohne ein jüdisches Mitglied auskommen. Die Empörung war groß. Zu Recht?

Man kann schon sagen, dass dies ein Geburtsfehler des Gremiums war.

Das Innenministerium hat inzwischen eingelenkt: Die Psychologin Marina Chernivsky und Sie gehören nun zum Kreis der Fachleute. Was kann Andreas Nachama als Jude, Historiker und Rabbiner beitragen?

Das wird sich zeigen. Zunächst werde ich darauf drängen, dass die Betroffenen selbst befragt werden. Und zwar auf einer repräsentativen sozialwissenschaftlichen Basis. Zudem hat die Vorgängerkommission 2012 vernünftige Handlungsempfehlungen gegeben.

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