Ex-Nuntius in Santo Domingo wegen Missbrauch vor Vatikangericht


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Erstmals muss sich ein Erzbischof vor einem vatikanischen Gericht wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verantworten: Wie der Vatikan am Montag mitteilte, beginnt der Prozess gegen den früheren Nuntius in der Dominikanischen Republik, Jozef Wesolowski (66), am 11. Juli vor dem Tribunal des Vatikanstaates. Grundlage für diesen Teil der Anklage seien die Ermittlungsakten der Justizbehörden des Karribikstaates. Wesolowski werde ferner zur Last gelegt, nach seiner Abberufung aus dem Karibikstaat im August 2013 in Rom kinderpornografisches Material besessen zu haben. Damit habe er gegen ein im gleichen Jahr von Papst Franziskus eingeführtes Gesetz verstoßen.


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Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe war Wesoloski im August 2013 von seinem Posten als Apostolischer Nuntius in der Dominkanischen Republik abberufen worden. Nach einer ersten gerichtlichen Anhörung im Vatikan wurde im September 2014 auf persönliche Anordnung des Papstes unter Hausarrest gestellt. Von einer Inhaftierung sah die vatikanische Jusitz wegen seines schlechten Gesundheitszustands ab. im Dezember 2014 war Wesolowski nach Ablauf der Maximaldauer aus dem Hausarrest entlassen worden, muss sich seither aber weiterhin im Vatikan aufhalten.

Es handelt sich um den bislang ranghöchsten kirchlichen Würdenträger, gegen den der Vatikan wegen sexuellen Missbrauchs vorgeht. Der polnische Geistliche ist als Diplomat des Heiligen Stuhls vatikanischer Staatsbürger und muss sich daher auch vor der weltlichen Gerichtsbarkeit des Vatikanstaats verantworten. Nach Angaben Lombardis traf mittlerweile der vatikanische Staatsanwalt mit dem Generalstaatsanwalt der Dominikanischen Republik zusammen. Wesolowski war bereits 2014 nach einem kirchenrechtlichen Prozess der Glaubenskongregation aus dem Priesterstand entlassen worden.