„Moon-Bewegung“ als religiöse Bekenntnisgemeinschaft registriert – Pastafaris abgelehnt


Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
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Die „Vereinigungskirche“, der innere Kern der als „Moon-Bewegung“ bekannten Vereinigungsbewegung, ist in Österreich ab sofort als „staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft“ registriert. Das bestätigte Oliver Henhapel, Leiter des im Bundeskanzleramt angesiedelten Kultusamtes, am Dienstag auf Anfrage von „Kathpress“. Der mit der Eintragung verbundene Erwerb der Rechtspersönlichkeit ist eine Vorstufe zur vollen gesetzlichen Anerkennung als Kirche oder Religionsgesellschaft. Mit der Vereinigungskirche gibt es hierzulande nun acht eingetragene Bekenntnisgemeinschaften.


kathweb
Die in Südkorea gegründete religiöse Bewegung ist seit 1965 in Österreich aktiv und hat derzeit nach eigenen Angaben rund 700 Mitglieder. Ihre offiziellen Vertreter begrüßten am Dienstag die Entscheidung. Der Grazer Verfassungsjurist Christian Brünner, der das Antragsverfahren begleitet hatte, wertete die offizielle Registrierung der Bewegung durch das Kultusamt als „Zeichen eines pluralistischen Rechtsstaates“: „Eines der wichtigsten Grundrechte einer funktionierenden Demokratie, nämlich das Recht auf Religionsfreiheit, wurde hiermit gewährleistet“, teilte Brünner in einer Aussendung mit.

Zu den Kriterien für eine religiöse Bekenntnisgemeinschaft zählen unter anderem eine Mindestmitgliederzahl von 300 Personen sowie Statuten mit einer Darstellung der Religionslehre. Den Antrag zum Erwerb des Status hatte die Bewegung im August 2014 beim Kultusamt gestellt.

Bekannt durch Massenhochzeiten

Bekannt ist die Moon-Bewegung vor allem durch ihre arrangierten Massenhochzeiten, bei denen tausende Paare gemeinsam gesegnet werden. „Die Massenhochzeiten unserer Bewegung setzen ein Zeichen für internationale Versöhnung und kulturelle Vielfalt“, betonte Peter Zöhrer von der Bewegung in Österreich dazu. Gelebte Familienwerte seien der Schlüssel zu gesellschaftlichem Wohlstand und Weltfrieden.

Das derzeitige Oberhaupt der weltweiten Moon-Bewegung ist Hak Ja Han Moon, die zweite Ehefrau des 2012 verstorbenen Gründers Sun Myung Moon. In der Kindheit mit seiner Familie der evangelisch-reformierten Presbyterianischen Kirche beigetreten, hatte Moon ab 1946 nach einem persönlichen Berufungserlebnis in seiner kommunistisch besetzten Heimat, dem heutigen Nordkorea, missioniert. 1954 gründete er die „Vereinigungskirche“, mit der auch eine eigene „Theologie“ verfolgte: Ziel der Bewegung wurde die Versöhnung von (kommunistischem) Osten und Westen.

Das Ende des „Eisernen Vorhangs“ deutete Moon endzeitlich als Bestätigung seiner Vision einer im Frieden vereinten Welt. In der Folge gründete er 1996 als nächste Entwicklungsstufe die „Familienförderation für Weltfrieden und Vereinigung“. Ehepaare wurden weltweit zu Missionseinsätzen ausgesandt. Ihre Botschaft: Dem Messias – Moon und seine Frau – war es gelungen, als „wahre Eltern“ eine mehrere Generationen übergreifende Familie zu gründen und eine „Nation der Einheit auf Erden“ zu errichten.

Theologisch „auf Dauer gestellt“ hat Moon die von ihm gegründete „Vereinigungskirche“ u.a. durch eine Reform der Lehre von den letzten Dingen: So können Anhänger der Bewegung durch ein vorbildliches Leben für ihr eigenes Wohlergehen im Jenseits Vorsorge betreiben und auch einen Beitrag zur Entwicklung ihrer verstorbenen Angehörigen leisten. Die „Geistmenschen“ können wiederum vom Jenseits aus mit den Lebenden auf der Erde in Kontakt treten.

Über ihre religiösen Anliegen hinaus ist die „Vereinigungskirche“ wegen ihrer politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten bekannt geworden. Gründer Moon baute ein Unternehmensimperium auf, das ihn zum Milliardär machte.

Keine Rechtspersönlichkeit für „Pastafarianismus“

Das Rechtsinstitut der religiösen Bekenntnisgemeinschaft gibt es seit 1998. Zu den religiösen Bekenntnisgemeinschaften zählen neben der Vereinigungsbewegung aktuell die „Alt-Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich“, die Religionsgemeinschaft der Bahai, die „Christengemeinschaft“, die Hinduistische Religionsgesellschaft, die Islamische-Schiitische Glaubensgemeinschaft, die Siebenten-Tags-Adventisten sowie die „Pfingstkirche Gemeinde Gottes“.

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