Jesus würde Car-Sharing mögen


Bild bearb. BB
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Die Umweltenzyklika „Laudato Si“ vertritt eine Theologie der Schöpfung in franziskanischem Geist. Mit seinem Aufruf zur Rettung der Erde trifft der Papst jedoch nicht überall auf Zustimmung.


Von Patrick Bahners|Frankfurter Allgemeine

In den Vereinigten Staaten gibt es Christen, die sich dadurch zu erkennen geben, dass sie auf ihrem Auto einen Aufkleber mit den Buchstaben WWJD anbringen. Soll heißen: „What would Jesus do?“ Der Slogan verbreitete sich zunächst auf Armbändern. Während jeder alltäglichen Verrichtung, bei der kleinsten Handbewegung soll die Frage ins Blickfeld geraten. Das Bemühen um ein persönliches Verhältnis zu Jesus Christus ist der ursprüngliche Impuls der evangelikalen Frömmigkeit. Klebt man sich den Spruch hinten aufs Auto, ändert die Frage ihren Adressaten. Das Missionarische der Losung mag der Autofahrer, der hinter dem Dauerfragesteller im Stau steht, als Zudringlichkeit empfinden.

Der neue Stil der Amtsführung, mit dem Papst Franziskus begeistert und irritiert, hat viel mit dem evangelikalen Habitus gemein: das Spontane, das Direkte, aber auch eine Hartnäckigkeit, die sich nicht scheut, dem säkularen Gegenüber auf die Nerven zu fallen. Mit Jorge Mario Bergoglio haben sich auch die Koordinaten der Ökumene verschoben: In Lateinamerika sind die Pfingstkirchen der wichtigste Partner und Konkurrent der Katholiken. Evangelikale Christen stellen in den Vereinigten Staaten das Fußvolk des konservativen Flügels der Republikanischen Partei. Der evangelische Antikatholizismus ist als politische Kraft fast ausgestorben. Evangelikale und Katholiken bekämpfen gemeinsam den Liberalismus, der Abtreibung und Homosexuellenehe legalisiert.

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