Warum die Wirtschaft nicht ohne Religion kann


Harmonische Beziehung: Dieter Zetsche (r.), Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, überreicht Papst Franziskus ein Elektrofahrrad Foto: dpa
Ist der Wirtschaft noch zu helfen? Ja, wenn sie sich an religiösen Werten orientiert und Nachhilfe in Ethik nimmt, meinen Theologen. Mittlerweile glauben auch Ökonomen nicht mehr an eine Alternative.


Von Marius Nobach|DIE WELT

Allzu viel Positives mag man mit der Finanzkrise ja nicht verbinden. Immerhin aber hat sie zu einem neuen Aufschwung der Moralisten geführt: Seither wimmelt es auf politischer Ebene nur so von entrüsteten Auslassungen zu mangelnder Arbeitsmoral und der inneren Verkommenheit von Steuerschuldnern; ohne Umschweife werden dabei die ursprünglichen ökonomischen Schulden zur moralischen Schuld umgedeutet.

Nicht zu leugnen ist, dass die angewendeten Wertbegriffe aus religiösen Sinnzusammenhängen stammen – was zunächst überrascht: Schließlich haben Wirtschaftswissenschaftler lange Zeit Religionen eher kritisch gesehen. Sei es, weil sie an Max Webers Diktum vom Entstehen des Kapitalismus aus der protestantischen Ethik festhielten und Religion dementsprechend nur als historischen Wegbereiter der modernen Ökonomie gelten ließen. Oder aber sie sahen wie Walter Benjamin im Kapitalismus selbst eine moderne Form der Religion.

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