Mein Weg zum Humanismus


Wie findet man seine Weltanschauung? Unser Gastautor beschreibt seinen Weg vom Protestanten zum Kommunisten zum Humanisten.


Von Bruno Osuch|DER TAGESSPIEGEL

welthumanistentag

Vor ein paar Wochen fragten mich Zehntklässler in meinem Ethikunterricht, ob ich „Atheist“ sei. Ich antwortete mit „Ja, aber …“ und versuchte zu erklären, dass ich mich keineswegs nur negativ, also in Ablehnung eines Glaubens an eine höhere Macht, definiere, sondern vor allem positiv die Werte meiner „humanistischen Weltanschauung“ vertrete. Bei den meisten der Schülerinnen und Schüler war Nachdenklichkeit die erste Reaktion – bis ein Pfiffikus etwas spontan in die Klasse rief: „Ach, Sie meinen Atheist-Plus!“ Interessanterweise verstanden das seine Mitschülerinnen und -schüler offenbar viel besser.
Sind Humanisten nur „Atheisten-Plus“?

Dieses kleine Erlebnis zeigt bereits die besondere Problematik, wenn es darum geht, den Humanismus als nicht religiöse Ethik und Weltanschauung zu erklären. Im Unterschied etwa zu Frankreich wird der Begriff bei uns facettenreicher assoziiert. So rief auch der damalige deutsche Papst Benedikt XVI. zu einem „neuen christlichen Humanismus“ auf. Wenn im Folgenden von „Humanismus“ gesprochen wird, dann im Sinne einer Konzentration auf den Menschen und seine Fähigkeit zu einem „guten Leben“ ohne religiöse Begründung. Die entsprechende Ethik orientiert sich an den Werten und Grundsätzen der Selbstbestimmung und Verantwortung, Solidarität und Gerechtigkeit, der Vernunft und des kritischen Denkens und nicht zuletzt am Toleranzgebot. Es sei daran erinnert, dass ein solches Denken seinen Ursprung in den Humanitätsidealen der antiken und vorchristlichen stoischen Philosophie hat.

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1 Comment

  1. Die Griechische Antike wird immer fälschlich als Erfinder der Demokratie genannt Das alte Griechenland war ein Ständestaat, nur die besitzende Oberklasse hat ein Wahlrecht, Gut 1500 Jahre später hatten die Wikinger die gleiche Lösung, nur die „freien“ und besitzenden Landherren konnten wählen und gewählt werden

    In beiden Systemen hatte die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung keine politische Stimme, sie durften als Sklaven arbeiten und ihren Herren wählen. Informationen über andere Herren oder Führer und Alternativen standen niemanden zur Verfügung

    Was daran human sein soll, dass kann ich nicht begreifen. Es ist wie das sozialistische Ein-Parteiensystem, man hat die pervertierte freie Wahl der immer gleichen Scheisse, in der sich die regierende Kaste laufend neu bejubeln läßt

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