Politikwissenschafter: „Christliches Abendland gibt es nicht“


Politikwissenschafter Ulrich Willems über das Verhältnis von Politik und Religion, die romantische Wurzel des christlichen Abendlands, säkularen Fundamentalismus und den Streit um Kopftuch, Schächten und Beschneidung.


Interview Lisa Nimmervoll|derStandard.at

foto: lukas friesenbichler Sichtbare Zeichen religiöser Identität – exemplarisch ein christlicher Rosenkranz, eine islamische Gebetskette, die Misbaha genannt wird, und ein jüdischer Gebetsschal, der Tallit heißt.

STANDARD: Es taucht immer wieder in der Politik auf: das Abendland, das christliche zumal. In Österreich plakatierte die FPÖ im Wahlkampf „Abendland in Christenhand“. In Deutschland marschieren „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida). Aber gibt oder gab es dieses christliche Abendland überhaupt je in der insinuierten Form?

Willems: Ein christliches Abendland im Sinne eines homogenen christlichen Raumes, wie es in diesen Slogans anklingt, gab und gibt es nicht. Das lateinische Christentum hat zwar seit dem frühen Mittelalter West- und Mitteleuropa kulturell und politisch geprägt, aber Europa wurde immer auch durch den politischen, ökonomischen und kulturellen Austausch mit anderen Räumen und Traditionen geprägt, und im Inneren ist Europa nicht durch Homogenität, sondern durch Konkurrenz, Konflikt und Koexistenz unterschiedlicher religiöser Traditionen gekennzeichnet.

STANDARD: In welcher Form?

Willems: Das gilt für das Nebeneinander von christlichen und heidnischen Formen der Religiosität nach der Christianisierung Europas. Es gilt auch für das Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen in vielen Teilen des mittelalterlichen Europa, für die konfessionelle Pluralität nach der Reformation und für das Neben- und Gegeneinander von religiösen und säkularen Kräften seit dem 19. Jahrhundert. Wenn Europa heute durch etwas charakterisiert ist, dann sicher nicht durch eine christlich-abendländische Identität, sondern durch das nicht immer einfache Aushalten von Vielfalt und die Suche nach Möglichkeiten friedlicher Koexistenz.

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2 Comments

  1. Christliches Abendland ist ein positive besetzter Begriff. Kann mir jemand die Gründe dafür benennen, ich bin dafür zu dement

    Der Vorsitzende der Zentrumspartei, RKK Prälat Dr. Ludwig Kaas, sorgt per Verfassungsbruch 1933 für das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ und außerdem dem „Ermächtigungs Gesetz“. Auf dem Katholikentag 1929 verrät er das RKK Vorhaben „Niemals ist der Ruf nach einem Führertum großen Stils lebendiger und ungeduldiger durch die deutsche Volksseele gegangen als in den Tagen, wo die vaterländische und kulturelle Not uns allen die Seele bedrückt“. Uniformierte SA- und SS-Asoziale feiern das Reichskonkordat in RKK Kirchen, Adolf Hitler hat die Kinderficker und Befürworter gerechter Kriege billigst gekauft. Als absoluter Diktator kann er ohne Reichstag, Reichsrat, Proteste von Religioten und Kosten für die NSDAP Gesetze erlassen, Görings Schießbefehl 1932 erlaubt die Gegner zu beseitigen.

    Adolf Schicklgruber aus einer Familie mit schizophrener Auffälligkeit ist ein frommer Katholik: „Zunächst stehen heute an der Spitze Deutschlands Christen und keine internationalen Atheisten. Ich rede nicht vom Christentum, sondern ich bekenne, dass ich mich auch niemals verbinden werde mit solchen Parteien, die das Christentum zerstören wollen“. Reden ablesen und theatralisch posieren hat er lange geübt. Seine Krampf Epistel „Mein Kampf“ schreibt erst Pater Stempfle in lesbaren Text als Buch um und stirbt dafür 1934 im KZ. Adolf Hitler bewundert die RKK, er lobt und kopiert die Judenhetze von Martin Luther. Sein bester Epigone Heinrich Himmler ist ein frommer Jesuit mit Ehefrau, Kindern und Geliebter Häsi Hedwig mit 2 Bastarden. Die Möbel von Häsi Hedwig sind bis 1990 zu besichtigen, KZ-Häftlinge mussten sie fertigen. Die Nürnberger Gesetze von 1935, die Reichspogromnacht 1938, die Deportation und brutale Ausrottung von 6 Mill. Juden ab 1941 bejubeln die Christen der Amtskirchen intensiv. Gelbe Kleideraufnäher für Juden wie im NAZI-Reich sind eine alte christliche Tradition. Das Reichsbürgergesetz erlaubt es jeden Bürger ohne Gerichtsurteil zum „Reichsfeind“ zu erklären, ihn zu berauben und danach zu vergasen, so liebevoll christlich wie es Martin Luther forderte.

    Kardinal Adolf Bertram, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, schleimt 1933 für die RKK dem GRÖFAZ Adolf Schicklgruber: „Der Episkopat aller Diözesen Deutschlands hat, wie die öffentlichen Kundgebungen erweisen, soweit es nach der Neugestaltung der politischen Verhältnisse durch Eurer Exzellenz (Adolf Hitler) Erklärungen ermöglicht wurde, sogleich die aufrichtige und freudige Bereitwilligkeit ausgesprochen, nach bestem Können zusammenzuarbeiten mit der jetzt waltenden Regierung, die die Gewährleistung von christlicher Volkserziehung, die Abwehr von Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, den Opfersinn für das Gemeinwohl und den Schutz der Rechte der Kirche als Leitsterne ihres Wirkens aufgestellt hat.“

    So oft ich das auch lese, es zeigt sich mir kein positiver Aspekt, sondern nur niedrigster Abschaum des menschlichen Wesens. Heute immer wieder dokumentiert durch die dümmlichen Sprechblasen eines all.wissenden Vatikan Popanz, der je nach Tageszeit und Wolkendichte einmal dafür und dann wieder dagegen ist – was immer es sein mag

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  2. Es gibt ein christliches Albtraumland

    Kaiser Constantin (285-337 n.C) macht das Christentum zur Staatsreligion, als Edelchrist verstößt er die Frau Minervina, ermordet den Sohn Crispus und die Frau Fausta, vergiftet die Mutter Helena und den Schwiegervater. Die Christen ursupieren die Macht mit brutaler Gewalt, Kritiker werden vernichtet wie bei Kaiser Theodosius I mit dem Thessaloniki Edikt 380 n.C.:
    „Wir befehlen, dass diejenigen, welche dies Gesetz befolgen, den Namen ‚katholische Christen‘ annehmen sollen; die übrigen dagegen, welche wir für toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande zu tragen, Ketzer zu heißen. Ihre Zusammenkünfte dürfen sich nicht als Kirchen bezeichnen. Sie müssen zuerst von der göttlichen Rache getroffen werden, sodann auch von der Strafe unseres Zornes, wozu wir die Vollmacht dem himmlischen Urteil entlehnen“.

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