Israelische Drusen greifen Krankentransporte mit mutmaßlichen Dschihadisten aus Syrien an


Die Drusen sind eine ethnoreligiöse Gemeinschaft, die vor allem in Syrien, im Libanon und in Israel lebt. Sie glauben nicht an eine Endgültigkeit der Regeln im Koran, aber an Seelenwanderung und Wiedergeburt. Dafür werden sie von Salafisten verfolgt. Eine kleine drusische Minderheit, deren Dörfer in der Provinz Idlib unter die Herrschaft der al-Nusra-Front gerieten, konnte bislang nur überleben, weil sie sich formell den Islamvorstellungen der Dschihadisten unterwarf. Am 10. Juni kam es trotzdem zu einem Massaker im Dorf Qalb Loza.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Golan. Karte: Hoheit. Lizenz: CC BY-SA 3.0

In Idlib leben nur wenige der syrischen Drusen. Die meisten sind in der Provinz as-Suwaida zuhause. Die wird inzwischen vom Nordosten her von der salafistischen Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) und vom Südwesten her von der mit dem IS konkurrierenden salafistischen Terrorgruppe al-Nusra-Front bedroht. Seit dem 13. Juni demonstrieren deshalb israelische Drusen, die befürchten, dass ihren Glaubensgenossen dort massenhafte Enthauptung oder Vertreibung bevorsteht.

Das Portal Walla! berichtete daraufhin unter Berufung auf israelische Sicherheitskreise von Überlegungen zur Einrichtung einer Schutzzone. Diese Überlegungen blieben – so sie denn tatsächlich ernsthaft angestellt werden – bislang ohne Folge. Noch mehr empört israelische Drusen, dass verletzte syrische Islamisten, die gegen die israelfeindliche Regierung in Damaskus kämpfen, weiter in israelischen Krankenhäusern behandelt werden und dass man nach ihrer Genesung nichts unternimmt, um zu verhindern, dass sie weiter für islamistische Organisationen kämpfen.

Das bewegte gestern zwei Gruppen von Drusen dazu, Krankenwagen, die syrische Rebellen transportierten, anzuhalten: Einen in Hurfeish in Galiläa und einen in Madschd al-Schams, im israelischen Teil des Golan. In Hurfeish verlangten die Drusen Zugang zum hinteren Teil des Krankenwagens. Sie wollten nach eigenen Angaben überprüfen, wer transportiert wird. Als der Fahrer des Wagens das nicht erlaubte und mit seinem Fahrzeug die Blockade durchbrach, verletzte er einen 54-jährigen Drusen.

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