„Breaking the Silence“ Israel: „Hier geht es um Pluralismus“


17. Juni 2015: Ein israelischer Soldat neben seinem Panzer. Foto: REUTERS
Der Streit über die Kölner „Breaking the Silence“-Schau: Kerstin Müller von der Böll-Stiftung in Tel Aviv wirft im FR-Interview Kölns OB „abgrundtiefe Naivität“ vor. Scharf rügt sie die israelische NGO-Politik.


Von Joachim Frank|Frankfurter Rundschau

Frau Müller, haben die zeitweilige Absage der „Breaking the Silence“-Ausstellung und die dann folgende Verschiebung durch den Kölner OB die Menschen in Israel interessiert?

Auf jeden Fall. Es gab eine Reihe von Presseberichten, und besonders das Friedensspektrum der Gesellschaft, das sich im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzt, war erschüttert, dass sich die Stadt Köln dem Druck der neuen Rechtsregierung in Jerusalem gebeugt hat. Die Botschaft in Berlin vertritt deren Interessen.

Hinter „Breaking the Silence“, so der Vorwurf nicht nur aus Israel, stehe eine Splittergruppe der radikalen Linken, die in Israel selbst kaum Rückhalt habe.

Radikal? Das ist absurd. Radikal sind Teile der jetzigen Regierung, die dezidiert gegen eine Zwei-Staaten-Lösung sind, die das Westjordanland annektieren wollen und eine Umsiedlung der arabischen Bevölkerung planen. Das sind extremistische Positionen. Hingegen ist der Gründer von „Breaking the Silence“ ein glühender Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung, der die Linie der internationalen Staatengemeinschaft voll unterstützt. Natürlich ist „Breaking the Silence“ der Regierung in Jerusalem nicht „genehm“, vor allem weil sie immer wieder kritische Debatten über das Vorgehen der israelischen Armee, etwa während der Gazakriege, anstößt – sie ist ganz gewiss einseitig, aber nicht propagandistisch.

weiterlesen