Kriegsverbrechen? Wir ???


Bild: palaestina-portal.eu
„KRIEG IST DIE HÖLLE!“ rief der US-General George Patton berühmtermaßen aus.
Krieg ist das Geschäft des Tötens des „Feindes“, um ihnen unsern Willen aufzuzwingen.
Darum ist „der humane Krieg“ ein Oxymoron.


Von Uri Avnery|Palästina-Portal

Der Krieg ist ein Verbrechen. Es gibt wenige Ausnahmen. Ich würde den Krieg gegen das Nazi-Deutschland als Ausnahme ansehen, da es gegen ein Regime von Massenmördern geführt wurde, geleitet von einem pathologischen Diktator, der nicht anders zur Strecke gebracht werden konnte.
Da dies so ist, ist das Konzept von „Kriegsverbrechen“ dubios. Das größte Verbrechen ist, den Krieg als erster zu beginnen. Dies ist nicht das Geschäft der Soldaten, sondern der politischen Führer. Doch diese werden selten angeklagt.

DIESE PHILOSOPHISCHEN Gedanken kamen mir im Zusammenhang mit dem kürzlichen UN-Bericht über den letzten Gaza-Krieg.

Das Untersuchungs-Komitee tat alles, um „ausgewogen“ zu sein und verklagte beide – die israelische Armee und die Hamas – mit fast denselben Ausdrücken an. Allein dies ist in sich schon problematisch.

Das war kein Krieg zwischen gleichen. Auf der einen Seite der Staat Israel mit einer der mächtigsten Armeen der Welt. Auf der andern Seite eine staatenlose Bevölkerung von 1,8 Mill. Menschen, geführt von einer Guerilla-Organisation ohne irgendwelche moderne Waffen.

Jede Gleichstellung zwischen zwei solchen Entitäten ist der Definition nach künstlich. Selbst wenn beide Seiten schwere Kriegsverbrechen begingen, so ist es nicht dasselbe. Jeder muss nach seinen eigenen (Un-)taten beurteilt werden.

DIE IDEE von „Kriegsverbrechen“ ist relativ neu. Sie kam während des 30jährigen Krieges auf, der große Teile Mitteleuropas verwüstete. Viele Armeen nahmen daran teil und alle zerstörten bedenkenlos Städte und Dörfer. Die Folge davon war, dass zwei Drittel von Deutschland verwüstet und ein Drittel des deutschen Volkes getötet worden war.

Hugo de Groot, ein Holländer, behauptete, dass zivilisierte Nationen sogar im Krieg an gewisse Einschränkungen gebunden seien. Er war kein naiver Idealist, von der Realität abgeschnitten. Sein Hauptprinzip – so wie ich es verstanden habe – war, dass es keinen Sinn hat, Aktionen zu verbieten, die einem kriegsführenden Land helfen, den Krieg zu führen, aber dass Grausamkeit – für eine wirksame Durchführung des Krieges nicht notwendig – verboten ist.

Die Idee setzte sich durch. Während des 18. Jahrhunderts wurden von professionellen Armeen endlose Kriege geführt, ohne die zivile Bevölkerung unnötig zu verletzen. Die Kriege wurden „human“.

Nicht lange. Mit der französischen Revolution wurde der Krieg eine Sache von Massen-Armeen, der Schutz der Zivilisten wurde untergraben, bis er im 2. Weltkrieg völlig verschwand, als ganze Städte durch unbegrenzte Luftangriffe (Dresden und Hamburg) und durch die Atombombe (Hiroshima und Nagasaki) zerstört wurden.

Jedoch eine Anzahl internationaler Konventionen verbieten jedoch Kriegsverbrechen, die der zivilen Bevölkerung schaden oder die Bevölkerung in besetzten Gebieten verletzen.

Das war der Auftrag dieses Untersuchungs-Komitees.

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