„Deutsche werden ‚verheizt‘ für Selbstmordanschläge“


Video, das angeblich deutsche Mudschahedin beim Schießtrainig in Afghanistan zeigt. (Elifmedya/dpa)
Wieder ein Terroranschlag in Frankreich – die Gründe dafür seien vielfältig, sagte der Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik im DLF. Einer sei die Einwanderungspolitik. Diese sei nicht so gelungen wie in Deutschland. Zwar gebe es auch deutsche Islamisten, doch die führten ihren Kampf noch in der islamischen Welt – wo dieser auch vor allem tobe, sagte der Sicherheitsexperte.


Markus Kaim im Gespräch mit Jürgen Zurheide|Deutschlandfunk

Reinhard Bieck: Markus Kaim leitet die Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Herr Kaim, drei Anschläge innerhalb weniger Stunden. Aber spricht nicht doch eher vieles dafür, dass es sich, was Datum und Zeitpunkt angeht, eher um einen Zufall handelt?

Markus Kaim: Ehrlich gesagt, ich glaube, die Ermittler und die breitere Öffentlichkeit wissen es im Moment schlicht und einfach nicht. Dafür spricht, dass es einfach statistisch hochgradig unwahrscheinlich ist, dass drei Anschläge dieser Art, dieser Größenordnung genau an einem Tag oder innerhalb von wenigen Stunden stattfinden. Dagegen spricht auch die unterschiedliche Ausrichtung dieser Anschläge. Wir haben in Tunesien einen Anschlag, der sich gegen die touristische Infrastruktur und damit gegen die ökonomische Basis der Regierung richtet und damit letztlich gegen den gesamten Transformationsprozess des Landes im Kontext des Arabischen Frühlings. Wir haben einen Anschlag in Frankreich, der eher die Handschrift trägt einer Einzelperson, der sich über Wege, die noch herauszufinden sind, selber radikalisiert hat, der vergleichsweise auch schlecht vorbereitet war. Und wir haben einen Anschlag in Kuwait, in dem sich die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten, also die wichtigste Bruchlinie innerhalb der islamischen Welt, manifestiert. Also drei Anschläge, die doch sehr unterschiedlich gelagert sind. Jetzt muss man einfach die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten.

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