„Die Sexualmoral muss sich ändern“


Die Homosexuellen-Ehe: Realität nun auch in den USA und in Irland. Warum gibt die katholische Kirche gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nicht ihren Segen? Ein Interview mit dem Theologen Dr. Wunibald Müller.


Von Johannes Schröer|Domradio

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de

domradio.de: Warum ist es uns in der katholischen Kirche nicht egal, ob ein Mensch hetero- oder homosexuell ist?

Dr. Wunibald Müller: Weil Homosexualität nach wie vor in unserer Gesellschaft tabuisiert wird, sie immer noch etwas Fremdes ist, wir die Last mittragen, dass Homosexualität noch in den 60er Jahren kriminalisiert und später pathologisiert wurde. Und manchmal auch, weil viele Menschen Angst haben, mit ihren eigenen homosexuellen Gefühlen in Berührung zu kommen, wenn sie das Thema zulassen. Und dann natürlich auch, weil viele innerhalb der Kirche davon ausgehen, dass die Homosexualität nicht der Schöpfungsordnung entspricht.

domradio.de: Die katholische Sexualmoral spricht von einer göttlichen Schöpfungsordnung, die auf heterosexueller Liebe aufbaut, weil nur so Fortpflanzung möglich ist. Ist das richtig? Sie sagen ja, dass die kirchliche Sexualmoral weiterentwickelt werden müsse…

Dr. Wunibald Müller: Dass die Fortpflanzung auf der heterosexuellen Liebe aufbaut, ist richtig, ob die Homosexualität damit der Schöpfungsordnung nicht entspricht, weiß ich nicht. Will die katholische Kirche, in dem, was sie zur gelebter Sexualität sagt, homosexuelle Menschen ansprechen, muss die Sexualmoral erweitert werden. Im Grunde genommen heißt es im Moment: Nur innerhalb der Ehe ist gelebte Sexualität moralisch gut. Es schließt also alle aus, die nicht innerhalb der Ehe ihre Sexualität leben. Und das betrifft natürlich auch die Homosexuellen.

Ich glaube, die Sexualmoral muss sich insofern ändern, dass man nicht mehr von der Heterosexualität als Norm ausgeht, sondern sagt: Es gibt das Potenzial der Sexualität und die Aufgabe der Kirche ist es, Menschen zu helfen, in ihrem Leben und in ihren Beziehungen dieses Potenzial der Sexualität so zu leben, dass es zu einer Bereicherung ihres Lebens beiträgt.

weiterlesen