Das mit der Gentherapie klärt die Wissenschaft lieber selbst


Neue Methoden erlauben gezielte Eingriffe in das Erbgut des Menschen. Damit könnte man einmal genetische Krankheiten heilen – vielleicht auch mehr. Muss man die genetische Optimierung des Menschen verbieten? Die Nobelpreisträger würden auf eine politische Debatte lieber verzichten.


Von Alexander Mäder|Stuttgarter-Zeitung.de

Bild: merakname.com
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Eigentlich sind sich die vier Wissenschaftler einig: Die neue Methode CRISPR (ausgesprochen: „Krisper“) ist zwar vielversprechend, funktioniert aber noch lange nicht gut genug, um sie bei menschlichen Embryonen einzusetzen. Mit CRISPR kann man, so die Idealvorstellung, krankhaft veränderte Gene ersetzen und dadurch einem heranwachsenden Kind eine Erbkrankheit ersparen. Doch eine Studie von Junjiu Huang und seinem Team von der Sun Yat-sen Universität im chinesischen Guangzhou hat vor einigen Wochen gezeigt, dass CRISPR noch viele weitere Veränderungen im Erbgut vornimmt, ohne dass die Wissenschaft verstehen würde, warum. Und nur bei 4 von 86 Embryonen hatte das Ersetzen des Gens überhaupt geklappt. (Die chinesischen Forscher hatten Embryonen verwendet, die bei künstlichen Befruchtungen aussortiert worden waren. Womöglich hat das die Fehlerrate zusätzlich erhöht.) Die vier Wissenschaftler auf dem Podium der Nobelpreisträgertagung in Lindau halten es daher für verfrüht und unverantwortlich, jetzt schon klinische Anwendungen von CRISPR in Erwägung zu ziehen.

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