Fall Tim Hunt: „Spaß beiseite“?


Neue Informationen verstärken die Auffassung, wonach die Kündigung des Nobelpreisträgers aufgrund eines Twitter-Shitstorms zu eilfertig war


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Tim Hunt, Bild: ndtv.com

Ironie hat es schwer in einer Informationskultur, in der die Toleranz gegenüber Ambiguität in dem Maße sinkt, wie die Begeisterung für linientreue und feste Überzeugungen steigt. Das hat der britische Nobelpreisträger Tim Hunt (2001, in „Physiologie oder Medizin“) Anfang Juni erfahren.

An seinem Witz über „Frauen im Labor“ , mit dem er ein Statement bei einer Konferenz von Wissenschaftsjournalisten auflockern wollte, baute sich via Twitter ein Entrüstungsturm auf, in dessen Folge Hunt in kürzester Zeit zum Rücktritt von seinen Posten an einer Londoner Universität und von seiner Tätigkeit beim Europäischen Forschungsrat gedrängt wurde (Londoner Universität beugt sich dem Shitstorm). Auch die Royal Society ging auf Abstand zu ihm. Sein Ruf war binnen weniger Tage ruiniert.

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