Dalai Lama: Pekings Furcht vor einem Halbgott


Der Dalai Lama wird 80. Peking schenkt sich alle Glückwünsche. Dort wartet man schon auf seine Wiedergeburt und will einen neuen Dalai Lama unter Chinas Fittiche nehmen


Von Johnny Erling|derStandard.at

Dalai Lama in Hamburg, 1998. Foto: Jens NagelsIm zweiten Stock des Pekinger Außenministeriums, wo Pressekonferenzen abgehalten werden, liegen im Vorraum Broschüren zum Mitnehmen aus. Darunter passt ein in mehrere Sprachen übersetztes Buch nicht recht ins politische Sortiment. Unter dem Titel „Die Reinkarnation des Dalai Lama“ erklärt der Tibetologe Chen Qingying die religiösen Rituale, nach denen seit 500 Jahren die Wiedergeburt des geistlichen Oberhaupts der Buddhisten in Tibet vonstattenging. Er nennt 14 Reinkarnationen bis zum heutigen, 14. Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger. Am 6. Juli wird dieser 80 Jahre alt.

Das Buch ist wichtig, weil Chen herausfand, dass die Zentralregierung schon bei der Wiedergeburt des fünften Dalai Lama (1617 bis 1682) die Genehmigungsaufsicht führte. Der Kaiserhof erteilte seinen Segen. In Erbfolge meldete nun ausgerechnet Chinas atheistische Partei ihren Anspruch an, bei Reinkarnationen das letzte Wort zu haben.

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