Ägypten: Ägyptischer Polizeistaat fördert den IS


Trauer in Kairo um ägyptische Sicherheitskräfte, die am Donnerstag bei Kämpfen auf dem Sinai getötet wurden. Foto: dpa
Der Nahost-Experte Stephan Roll spricht im Interview über die Repressionen in Ägypten. Er sieht sie als eine Ursache für das Erstarken der Terrormiliz „Islamischer Staat“.


Von Andreas Schwarzkopf|Frankfurter Rundschau

Herr Roll, die Anschlagsserie des Islamischen Staats auf dem Sinai zeigt, dass die Terrormiliz nun auch in Ägypten ihr Unwesen treibt. Wie stark sind die Dschihadisten am Nil?

Das lässt sich abschließend nicht beantworten. Fakt ist, dass sie auf dem Sinai sehr stark sind. Die verantwortliche Terrorgruppe hat dort seit Jahren eine Infrastruktur und kann Anschläge gegen das Militär wie jetzt mit Dutzenden Toten durchführen.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) weist beim Thema Kampf gegen Terror immer wieder auf die regionalen Aspekte hin. Welchen Einfluss hat die hohe Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent auf die Zunahme von Gewalt? Oder gibt es andere, wichtigere Gründe einer Radikalisierung?

Die verheerende sozioökonomische Lage in Ägypten ist natürlich ein Faktor. Sie war auch ein Grund für den politischen Umbruch im Jahre 2011. Dennoch gab es in den letzten Jahren unter Mubarak diese Form der Gewalt, die es jetzt gibt, nicht. Wesentlicher ist, dass seit 2013 eine äußerst repressive Militärregierung mit allen Mitteln des Polizeistaats jeglichen Protest unterdrückt, vor allem gegen die Muslimbruderschaft, aber nicht nur. Präsident Al-Sisi schafft damit den Nährboden für Terrorismus. Viele Ägypter sehen keinen anderen Ausweg, als sich bewaffneten Gruppen anzuschließen.

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