Wissenschaftstheorie: Auch Physiker sind Philosophen


In seinem letzten Essay spricht sich der kürzlich verstorbene Physiker Victor Stenger dafür aus, dass die Philosophie auch im Rahmen der modernen theoretischen Physik ihre Berechtigung hat.


Von Victor Stenger|Spektrum.de

Themenbild: ruhr-uni-bochum.de

Im April 2012 führte Ross Andersen ein Interview mit dem theoretischen Physiker, Kosmologen und Bestsellerautor Lawrence Krauss, das unter dem Titel „Hat die Physik Philosophie und Religion überflüssig gemacht?“ in der Zeitschrift The Atlantic erschien. Krauss‘ Antwort auf diese Frage empörte Philosophen, denn er sagte: „Die Philosophie war einmal ein Fachgebiet mit Inhalten“, und fügte später hinzu: „Die Philosophie ist ein Fachgebiet, das mich leider an diesen alten Woody-Allen-Witz erinnert: ‚Wer nichts kann, der lehrt, und wer nicht lehren kann, unterrichtet Sport.‘ Und das übelste Teilgebiet der Philosophie ist die Wissenschaftsphilosophie; die einzigen Leute, so weit ich das beurteilen kann, die Aufsätze von Wissenschaftsphilosophen lesen, sind andere Wissenschaftsphilosophen. Sie haben keinerlei Einfluss auf die Physik, und ich bezweifle, dass andere Philosophen sie lesen, denn sie sind ziemlich fachspezifisch. Zu verstehen, was sie rechtfertigt, fällt deshalb wirklich schwer. Und so würde ich sagen, dass diese Spannung auftritt, weil sich Philosophen bedroht fühlen – und sie haben jedes Recht dazu, denn die Wissenschaft macht Fortschritte und die Philosophie nicht.“

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