„Du Hexe wirst brennen, genauso wie die anderen“


Neonazis bei einer Kundgebung in Dortmund. Die Stadt bekommt die Probleme mit rechter Gewalt einfach nicht in den Griff Foto: picture-alliance/ dpa
Eine SPD-Politikerin in Dortmund erhält Drohanrufe. Die Polizei ermittelt einen Verdächtigen mit Kontakten zur rechtsextremen Szene. Doch die Behörden spielen offenbar selbst eine zwielichtige Rolle.


Von Kristian Frigelj|DIE WELT

Dorothea Moesch war mit ihrem Rollstuhl auf der Anti-Nazi-Demo angekommen, als wenige Minuten später ihr Handy klingelte. Sie hörte eine verzerrte Stimme hetzen: „Du Hexe wirst brennen, genauso wie die anderen Fo***n auch.“ Im Hintergrund war lautes Stimmengewirr zu hören. Die 50-jährige Sozialdemokratin hegte einen Verdacht: Konnte es vielleicht sein, dass der Drohanrufer ihr gegenüberstand und einer jener Neonazis war, die wieder mal gegen Asylbewerber und Flüchtlingsheime hetzten? Sie erstattete Anzeige gegen unbekannt.

Moesch bezeichnet sich als „Antifaschistin“ und hatte die Gegendemo in Dortmunder Ortsteil Oestrich am vergangenen Dienstag organisiert. Im lokalen „Bündnis gegen Rechts“ werden die Gegendemos im Wechsel angemeldet. Dieses Mal war Moesch an der Reihe. Es war das übliche Prozedere. Sie rief die zuständige Polizeidienststelle an, füllte einen Anmeldebogen aus und wartete auf den Auflagenbescheid. Eigentlich Routine, gerade in Dortmund, wo Rechte und ihre politischen Gegner im Wochentakt protestieren. Moesch bekam den Auflagenbescheid zunächst nicht, es gab offenbar Probleme beim Senden. Umso überraschter war die SPD-Politikerin, als ausgerechnet der Gegner, in diesem Fall die „Rechte Dortmund“, den Auflagenbescheid während der Anti-Nazi-Demo auf der Internetplattform Twitter präsentierte – mit Handynummer und Mail-Adresse von Moesch.

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