Die neue graue Macht


Philippe de Champaigne – Kardinal de Richelieu (1637). Bild: wikimedia.org/PD
Vom Berater des Kardinals Richelieu bis zu Google: Wie Eminenzen im Hintergrund die Gesellschaft verändern.


Von Luciano Floridi|Süddeutsche.de

François Leclerc du Tremblay war ein französischer Kapuzinermönch. Wegen seiner grauen Robe wurde er auch als L‘ Eminence Grise bekannt. Als Berater von Kardinal Richelieu prägte er den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wie nur wenig andere. Seine Fähigkeit, als graue Eminenz hinter den Kulissen die Einflussreichen zu beeinflussen, nenne ich „graue Macht“. Sie ist hochaktuell.

In jeder Gesellschaft gibt es graue Macht. Solange wir deren Veränderung nicht verstehen, werden wir kaum die Gesellschaft verbessern können. Graue Macht ist wie Efeu: Sie wächst an den Wänden der offiziellen Macht und blüht im Schatten. Umbruchzeiten verführen dazu, schlagzeilenträchtige Nachrichten als Faktoren zu nehmen, die graue Macht verändern: Einwanderung und Terrorismus, Finanzmärkte, Euro und Griechenlandkrise. Doch all das sind Wellen auf der Oberfläche der Geschichte. Unabhängig davon, wie groß und bedrohlich sie sind, wir müssen uns auf Unterströmungen konzentrieren, die noch da sein werden, wenn der Sturm vorbei ist.

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