Fastenbrechen: Gehört der Ramadan zu Deutschland?


Ein Empfang zum Ramadan in Berlin: Angela Merkel hält eine Rede. | © AP Photo/Steffi Loos/dpa
Deutschlands Politiker gefallen sich darin, mit Muslimen während des Ramadan das Fastenbrechen zu feiern. Das ist gut so, meint Raoul Löbbert, Religion braucht Gastfreundschaft. Volker Resing hält dagegen: Die Politik darf den Glauben nicht für ihre Zwecke instrumentalisieren.


Von Raoul Löbbert und Volker Resing|ZEIT ONLINE

Pro

Warum macht sie das? Wieso feiert Angela Merkel bei einem Empfang in Berlin mit Muslimen das Fastenbrechen im Ramadan? Merkel fastet nicht. Sie ist keine Muslima. Der religiöse Brauch dient ihr offensichtlich nur als Mittel zum Zweck. Zwar will sie ein Bekenntnis ablegen, allerdings ein politisches und kein religiöses: „Der Islam gehört unzweifelhaft zu Deutschland.“ Mit diesem Satz wird sie kurz darauf in den deutschen Medien zitiert. Da kann man leicht behaupten, Merkel instrumentalisiere den Ramadan und die ihm zugrunde liegende Spiritualität für ihr Ideal eines bunten, toleranten und multireligiösen Deutschland. Aber wird dadurch auch das religiöse Gefühl der Fastenden marginalisiert? Eher nicht. Niemand hat die Muslime schließlich an den Stühlen festgebunden, die mit Deutschlands Politikern in den Ramadan-Wochen nach Sonnenuntergang tafelten in der Öffentlichkeit. Meist waren die Muslime über so viel Instrumentalisierung sogar hocherfreut. Es sei denn, ihnen wurde wie beim Fastenbrechen im NRW-Landtag Fleisch vorgesetzt, das nicht „halal“ war. Dann war die Empörung kurz, aber heftig.

weiterlesen