„Israel-Bashing ist Mainstream“


Münchens jüdische Gemeinde feiert ihr 200-jähriges Bestehen. Ein Jubiläum in schwierigen Zeiten, sagt Charlotte Knobloch


Von Peter Issig|DIE WELT

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr

Von ihrem Schreibtisch blickt Charlotte Knobloch auf ein kleines Ölgemälde. Es zeigt die alte von den Nazis zerstörte Synagoge, dahinter sind die Türme der Münchner Frauenkirche. Wenn sie aus dem Fenster schaut, sieht sie die neue Ohel-Jacob-Synagoge und auch die Frauenkirche. Die israelitische Kultusgemeinde in München ist die zweitgrößte in Deutschland nach Berlin. Am Mittwoch feiert sie zwei Jubiläen. Das Judenedikt von Maximilian Graf Montgelas vor 200 Jahren und die Wiederkehr der Gemeinde nach der Schoah vor 70 Jahren.

Welt am Sonntag:

Die jüdische Gemeinde hat in der Mitte der Stadt einen Platz gefunden. Entspricht das auch der gesellschaftlichen Realität?

Charlotte Knobloch:

Ja. Die jüdische Gemeinschaft ist heute wieder ein fester und anerkannter Bestandteil unserer Gesellschaft. Das Judentum hat in unserem Land wieder eine Gegenwart und eine Zukunft – von beidem war 1945 nicht auszugehen. In München sind wir aus dem Hinterhofdasein der Nachkriegszeit zurück in die Mitte der Stadt gezogen, aus der wir einst gerissen wurden. Wir sind wieder sichtbar und selbstverständlich. Es gibt Rückschläge, kein Zweifel, aber die positiven Entwicklungen dominieren.

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