Deutschlands erste Moschee: Als das Deutsche Reich zum Dschihad rief


Gefangenen-Lager Wünsdorf, erste Moschee in Deutschland Museum Europäischer Kulturen/Otto Stiehl
Gefangenen-Lager Wünsdorf, erste Moschee in Deutschland
Museum Europäischer Kulturen/Otto Stiehl
In einem Kriegsgefangenenlager bei Berlin wurde vor 100 Jahren die erste deutsche Moschee erbaut – um für den „Heiligen Krieg“ gegen Engländer und Franzosen zu werben. Einmalige Tonaufnahmen lassen den Ruf des Muezzins noch heute erklingen.


Von René Schlott|EINESTAGES/SpON

Die Sensation, die das „Berliner Tageblatt“ am 9. Juli 1915 vermeldete, war gut versteckt – auf Seite sechs seiner Morgenausgabe. Unter dem Titel „Moschee im Gefangenenlager“ wurde die Einweihung des ersten islamischen Gotteshauses auf deutschem Boden angekündigt: „In dem Gefangenenlager Wünsdorf, das unsere orientalischen Gegner, die auf Seiten Frankreichs und Englands standen, birgt, und das bezeichnenderweise den Namen ‚Halbmondlager‘ trägt, ist in den letzten Wochen ein Bauwerk entstanden, das sich auf dem Boden der Mark sonderbar genug ausnimmt.“

Um dem „religiösen Bedürfnis der internierten Mohammedaner zu genügen“, so der Artikel weiter, habe die preußische Heeresverwaltung eine Moschee bauen lassen, die „bis in die kleinsten Einzelheiten den orientalischen Gotteshäusern gleicht.“

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