Urteil gegen früheren SS-Mann Oskar Gröning: Das letzte Gericht


Auschwitz-Prozess Früherer SS-Mann Gröning zu vier Jahren Haft verurteilt Foto: dpa
Der Prozess gegen Oskar Gröning war auch ein Lehr- und Lernprozess. Die Beweisaufnahme gegen den Buchhalter von Auschwitz hat Unruhe erzeugt, die nicht Geschichte werden darf.


Von Heribert Prantl|Süddeutsche.de

Solange die NS-Täter noch leben, müssen sie vor Gericht gestellt werden. Ein solcher Strafprozess wie der gegen Oskar Gröning lehrt mehr als die sorgfältigste Ausstellung; er lehrt mehr als der beste Vortrag und mehr als der beste Unterricht; er ist eindrucksvoller als die eindrucksvollste Führung durch eine KZ-Gedenkstätte.

Der Strafprozess gegen Oskar Gröning war ein Lehr- und Lernprozess. Die Beweisaufnahme gegen den Buchhalter von Auschwitz, der ein Rädchen war im Konzentrationslager, hat die Unruhe erzeugt, die nicht Geschichte werden darf.

Dieser Prozess hat dazu beigetragen, dass die NS-Geschichte nicht einfach ins Regal gestellt werden kann. Es leben noch Täter, es leben noch Opfer – und die Erinnerung daran, wie mitten im 20. Jahrhundert, wie mitten und überall in Europa, wie in einem Land, das sich als aufgeklärt dünkte, das Verbrechen regierte, diese Erinnerung darf nicht sterben.

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