„Dem Osten wurde es erspart, Einwanderungsland zu werden“


Schwarz-rot-bunt: Einbürgerungsfest in Dresden im Juni 2015 – Foto: Arno Burgi/dpa
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann will mehr Flüchtlinge in die Ost-Bundesländer schicken. Dort würden ganze Straßenzüge abgerissen, während Großstädte – er meinte wohl seine – aus allen Nähten platzten. Wäre das klug?


Von Andrea Dernbach|DER TAGESSPIEGEL

Wenn ich einmal von seinen vermutlich egoistischen Motiven absehe: Kretschmann hat Recht. Im Osten gibt es gemessen an der Bevölkerung noch immer zu wenig Menschen, die sichtbar Minderheiten angehören, die zum Beispiel schwarz sind. Und es gibt einen Strukturwandel, ganze Gegenden entvölkern sich. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, würde ich sagen: Es ist Zeit für die zweite Wende und einen neuen Aufbau Ost, infrastrukturell, emotional, kulturell.

Was meinen Sie damit?

Es war die größte Bankrotterklärung der deutschen Politik nach der Wende, dass sie zuließ, dass ein Drittel des Staatsgebiets weiß blieb. Aus Angst vor den Skins und denen, die mit ihnen sympathisierten, hat man diesem Teil des Landes die Zumutung erspart, eine Einwanderungsgesellschaft zu werden. Inzwischen haben wir aber eine andere Situation. Die Leute sind ja schon da. Städte wie Leipzig und Rostock haben bereits eine bunt gemischte Einwohnerschaft.

weiterlesen