Die Evolution vor Gericht


Vor 90 Jahren wurde in den USA ein Biologielehrer verurteilt, weil er die Evolutionstheorie lehrte. Bis heute ist Darwin in religiösen Kreisen umstritten.


Von Rolf Maag|20minuten online

John Scopes war bereit, sich verurteilen zu lassen, damit das evolutionsfeindliche Gesetz auf seine Verfassungsmässigkeit geprüft werden konnte. Bild: Bryan College Archives

Anfang 1925 deutete nichts darauf hin, dass John Scopes bald berühmt sein würde. Der 24-Jährige war Football-Coach an der High School von Dayton im Staat Tennessee, unterrichtete aber auch Naturwissenschaften. Mit dem im Schuldienst verdienten Geld wollte er seine eigenen Studien fortsetzen.

Doch im März 1925 verabschiedete das Parlament von Tennessee ein Gesetz, das staatlichen Schulen untersagte, die Evolutionstheorie zu unterrichten (siehe Box). Die Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) suchte in Zeitungsinseraten nach einem Lehrer, der bereit war, gegen das Gesetz zu verstossen. Man hoffte, dass es in einem Prozess als verfassungswidrig eingestuft würde. Einige Geschäftsleute aus Dayton griffen die Idee auf, weil sie die Chance witterten, ihre wirtschaftlich arg gebeutelte Gemeinde durch den Prozess landesweit bekannt zu machen und so neue Investoren anzulocken. Sie wandten sich an Scopes, der sofort zusagte. Am 10. Juli sollte der Prozess beginnen.

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