Moscheen in Deutschland: Die Sprache der Unruhestifter


© Henning Bode Großer Bahnhof: Der deutschsprachige Imam Munib Doukali serviert beim Fastenbrechen anderen Imamen das Essen.
Warum Moscheegemeinden, in denen vor allem Deutsch gesprochen wird, nicht vor dem Einfluss radikaler Salafisten gefeit sind – ganz im Gegenteil.


Von Yasemin Ergin|Frankfurter Allgemeine

Der kurdische Imam plaudert mit seinem albanischen Kollegen auf Türkisch und mit seinem Nebenmann auf Zaza, einer ostanatolischen Minderheitensprache. Ein junger iranischer Geistlicher in taubenblauem Gewand und Turban auf dem Kopf zuckt lachend mit den Schultern und sagt: „Ich verstehe nur Bahnhof!“ Und am anderen Ende des langen Tisches, auf dem Wasser, Datteln und Obst bereitstehen, unterhalten sich Vertreter einer westafrikanischen Moschee auf Haussa. Erst als Gastgeber Munib Doukali die Anwesenden auf Deutsch begrüßt, verklingt das Sprachengewirr. Bei dem vom muslimischen Dachverband Schura organisierten „Iftar der Imame“, dem gemeinsamen Fastenbrechen der im Verband aktiven Geistlichen, bekommt man einen Eindruck von der Vielfalt der Sprachen und Kulturen, die in islamischen Gotteshäusern vertreten sind. Einige der an diesem Abend im Kellerraum einer schlichten Moschee versammelten Imame tragen Anzüge, andere lange Hemden zu Pluderhosen oder Kaftane. Deutsch ist für die meisten von ihnen eine Sprache von vielen und spielt in den Moscheen nur eine untergeordnete Rolle – obwohl die Sprache in der Öffentlichkeit oft als Gradmesser der Integration empfunden wird. Auf Türkisch oder Arabisch gehaltene Predigten stehen im Bauchgefühl vieler Außenstehender eher unter einem Radikalismusverdacht als Gottesdienste, die in deutscher Sprache gehalten werden. Dabei ist in der Realität bisweilen das genaue Gegenteil richtig, weil Radikale meist miteinander Deutsch reden.

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