Leipziger Esoterik um 1900: Vegetarier, Okkultisten, Theosophen und Magie


Christin Tölle-Beruf, Ron Ritter: Deviantes Leipzig. Foto: Ralf Julke
Der Titel „Deviantes Leipzig“ führt ein bisschen in die Irre. Auch wenn er so schön geheimnisvoll klingt. Aber Devianz ist nur ein Begriff aus der Soziologie, der versucht, alle Arten von gesellschaftlicher Abweichung zu erfassen. Nur hätten jene Leute, die vor 100 Jahren in Leipzig als Okkultisten, Theosophen, Vegetaristen, Sexualmagiker unterwegs waren, wohl nicht von sich behauptet, sie würden abweichen.


Von Ralf Julke|Leipziger Internet Zeitung

Mit dem Buch macht der Leipziger bookra Verlag wieder etwas, was auf dem Buchmarkt nach wie vor selten ist: Er macht Arbeiten, die im Rahmen des Studiums entstanden sind und sonst eher in den Archiven verschwunden wären, in einer bezahlbaren Ausgabe zugänglich. Entstanden sind die Texte vor allem im Bereich der Religions- und der Geschichtswissenschaften an der Uni Leipzig. Und die kleine Ergänzung ist notwendig: Es geht um religiöse Devianz.

Eigentlich ein zentrales Thema, wenn es um das Leipzig der Jahrhundertwende geht. Um Deutschland sowieso. Kein Thema ging damals in den intellektuellen Debatten Europas so um wie das „Unbehagen an der Kultur“. Der Kontinent feierte zwar immer neue technische Wunderwerke, die Naturwissenschaften entfachten ein ganzes Feuerwerk an Entdeckungen. Reihenweise wurden liebgewordene Welt-Bilder auf den Kopf gestellt. Doch tatsächlich steckte der Kontinent in veralteten politischen Systemen fest und neben der Feier der Moderne entwickelte sich – wie ein Schattenbild – eine Bewegung, die der nüchternen Gegenwart die Faszination des Okkulten entgegen setzte. Ein Phänomen, das man so schon aus der Zeit der Aufklärung kannte.

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