Kirche, Staat, Katholikentag: Kognitive Dissonanzen eines Erzapostels in spe


Bischof Heiner Koch (rechts) erklärt Nuntius Nikola Eterovi das Konzept der Kirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel
2016 kommt der Katholikentag nach Leipzig. Neben dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist das Bistum Dresden-Meißen Gastgeber. Dessen Bischof ist noch bis zum Herbst Dr. Heiner Koch. Erst 2013 kam er von Köln. Doch auch als Erzbischof von Berlin bleibt er für die Leipziger Veranstaltung mitverantwortlich. Im Herbst fährt er mit zwei weiteren deutschen Bischöfen nach Rom. Thema: Ehe und Familie. Auch darüber sprach er mit der L-IZ.


Von Ernst-Ulrich Kneitschel|Leipziger Internet Zeitung

Am Tag der Eröffnung der neuen Propstei gab es in Sichtweite der Kirche einen Stand, der sich kritisch mit dem Katholikentag auseinandersetzte. Die Stadträtin der Piratenpartei, Ute Elisabeth Gabelmann, erklärte dort:„Die Kirchen begreifen sich als Institutionen, die so etwas einfach abfordern können, weil es ihnen einfach zusteht.“ Dieses Anspruchsdenken störte sie. Ist der Katholikentag eine Fete der Katholiken, für die Leipzig nun zahlen muss?

Zunächst einmal: Ich bin überzeugt, dass die Verantwortlichen im ZdK nicht die Einstellung haben, die Unterstützung stehe ihnen zu. Sie ist eine Gabe der Stadt Leipzig. Natürlich gewinnt die Stadt Leipzig dabei auch viel. Gäste aus der ganzen Bundesrepublik kommen. Das wird dem Image und dem Geldbeutel dieser Stadt nützen. Darüber hinaus meine ich, dass ein Staat in einer freiheitlichen Demokratie die Aufgabe hat, möglichst viele Initiativen zu fördern. Kommunen unterstützen Sportveranstaltungen, kulturelle Ereignisse und Kongresse.

Das ist gut so. Das schließt die Förderung von religiösen Initiativen für mich mit ein. Fördern von Vielfalt ist Ausdruck von Demokratie. Wer sagt, die Kirche solle den Katholikentag selbst zahlen, übersieht die Verantwortung von Stadt und Staat in einer pluralen Gesellschaft.

weiterlesen