Kruzifix und Kopftuch: Neutralität durch Pluralität für Europa


© Mahmud Hams/Getty Images
Wenn es um die Frage geht, wo Religionsfreiheit anfängt und wo sie aufhört, scheiden sich die Geister. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Ein einheitliches Konzept ist nicht in Sicht.


Von Semra Kizilkaya|The European

Im europäischen Verhältnis von Staat und Religion ist kaum ein anderer Grundwert so fest verankert und so stark debattiert zugleich, wie die Staatsneutralität. In Deutschland erreicht die öffentliche Auseinandersetzung über Neutralität versus Religionsfreiheit ihren Höhepunkt mit der jüngsten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, die das pauschale Kopftuchverbot für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig erklärt. Auch das Berliner „Neutralitätsgesetz“ ist folglich in Teilen nicht verfassungskonform. Bedeutet das eine Aufhebung der Neutralität?

Europas Wandel von säkular zu multikulti-plurireligiös

Das Verhältnis von Staat und Religion in Europa ist keineswegs einheitlich geregelt. Übergreifend kann ein europäisches Modell festgehalten werden, das sich aus dem Dreieck Religionsfreiheit, Staatsneutralität und Kooperation von Staat und Religion zusammensetzt. Darunter sind unterschiedliche Formen des Umgangs verschiedener Länder realisiert: von dem über hundertjährigen Laizismus in Frankreich bis zur englischen Staatskirche, die jedoch seit Anfang des 18. Jahrhunderts keinen Einfluss mehr auf die Politik genießt.

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