Warum Gläubige der Kirche wirklich den Rücken kehren


Die hohe Zahl der Kirchenaustritte weist auf schwere Defizite hin. Die Menschen suchen Aktivitätsnetzwerke – finden aber nur den Kirchenchor. Und dann gibt es da noch einen ganz besonderen Grund.


Von Matthias Kamann|DIE WELT

Bild: tilly
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Geld und Glaube gehören zusammen. Das zeigt der neue Rekord bei den Kirchenaustritten. Dass 2014 fast 218.000 Katholiken ihre Kirche verließen – und es bei den langsamer zählenden Protestanten mindestens genauso viele gewesen sein dürften –, liegt eindeutig am geänderten Einzugsverfahren beim Kirchensteueranteil der Kapitalertragssteuer. Plötzlich, durch Briefe oder Anrufe ihrer Bank, merkten die Leute, dass sie von den Gewinnen ihrer Geldanlagen den Kirchen etwas abgeben sollen.

Zwar ist dieser Umstand als solcher nicht neu und lässt sich gut begründen, zwar sind die Beträge meist niedrig – aber viele sehen das nicht ein und treten aus. Über ihre Religion entscheiden sie anhand des Geldes. Nicht anders war es, als Franz-Peter Tebartz-van Elst mit hohen Ausgaben hohe Austrittszahlen bewirkte.

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1 Comment

  1. Es ist wohl richtig, dass viele Kirchenaustritte mit der Kirchensteuer/Kirchenbeitrag,… zusammenhängen. Personen mit etwas höherem Einkommen empfinden das als unverschämt hoch.

    Tatsächlich haben diese Leute vorher schon mit der Kirche abgeschlossen, in dem Sinn, dass sie nicht mehr am kirchlichen Leben teilnehmen, die Zeremonien nicht mehr mitfeiern.

    Das Bedürfnis nach spiritueller Erfahrung ist verlorengegangen, glauben die Leute zumindest. Dafür rennen sie bei Seelenleid zum Psychologen, der für die Therapie Geld verlangt und auch nicht immer helfen kann.

    Die Sache mit der Hölle und dem Fegefeuer glaubt in unserem Kulturkreis kaum noch jemand. Zu alten Zeiten war das ein wichtiger Grund, sich durch Spenden an die Kirche von diesem drohenden Unheil loszukaufen.

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