Michael Shermers ruchloser Optimismus in Reinform


Michael Shermer. Bild: ted.com, Screengrab. bb
Michael Shermer. Bild: ted.com, Screengrab. bb
Michael Shermer hat die «Skeptics Societey» gegründet, zweifelt aber an einem nicht: dass stets alles beser wird. Ein neues Buch des amerikanischen Autors zeigt ruchlosen Optimismus in Reinform.


Von Christoph Lüthy|Neue Zürcher Zeitung

Unsere Zeit bietet Pessimisten argumentative Munition zuhauf. Russland drängt zurück in den Kalten Krieg, gescheiterte Staaten zerfetzen sich, das Friedensprojekt Europa liegt im Schüttelfrost, und von den zwei grossen Thesen der neunziger Jahre, dem «Ende der Geschichte» und dem «Kampf der Kulturen», triumphiert Letztere mit jedem Attentat. Trotzdem haben Bücher Konjunktur, welche die Schlagzeilen unserer Tage als blosse Oszillationen einer sonst stetig ansteigenden Linie der Vernunft, der Wohlfahrt und des menschlichen Glücks betrachten.

Ein Skeptiker, der nicht zweifelt

Das jüngste Beispiel dieser Gattung hat Michael Shermer geliefert, ein amerikanischer Psychologe und Wissenschaftshistoriker, der sich bisher vor allem als Gründer der «Skeptics Society», als Herausgeber des «Skeptic Magazine» und als Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Bücher einen Namen gemacht hat. Mit seinem neusten Buch, «The Moral Arc», versuchte sich Shermer während einer Vortragsreise im vergangenen Frühling auch in Europa zu etablieren. Die These des dickleibigen Werkes ist im Untertitel bereits zusammengefasst: «Wie Wissenschaft und Vernunft die Menschheit in Richtung Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit führen».

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