Lieber Fanatiker: Ist es gut, religiösen Pflichten nachzugehen?


Nach Kant jedenfalls gibt es nur einen sinnvollen Gottesdienst: anständiges Verhalten.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Religionen haben zahlreiche Rituale und Verhaltensregeln entwickelt und längst nicht alle wurden zum Schutz der Mitmenschen formuliert. Die Vorschriften betreffen Nahrung, Arbeitstage, Gebetszeiten, Beichte, Gottesdienste und vieles mehr.

Verteidiger betonen die Vorteile dieser Vorgaben. Beispielsweise hilft ein geregelter Tagesablauf vielen Menschen dabei, ihr Leben zu gestalten. Zu einer Zeit ohne Kühlschrank und Mikrowelle dürften nicht wenige Essensvorschriften zur Gesundheitsvorsorge beigetragen haben.

Skeptiker halten viele religiöse Alltagsvorschriften entweder für veraltet oder für absurd. Sie verweisen auf die hygienischen Fortschritte in der Nahrungszubereitung. Sie fragen, ob es für einen Gott wirklich von Bedeutung sein kann, zu welchen Tageszeiten er angebetet wird oder an welchen Wochentagen der Rasen gemäht werden darf. Eine viel grundlegendere Kritik stammt von Immanuel Kant, der die Bezeichnung „Afterdienst“ prägte. Bis heute wird darüber gestritten, ob Kant damit „Hinterherdienst“ (engl.: after) gemeint hat. Die zweite Deutung bezieht sich auf das deutsche Wort „After“ und legt eine weit unhöflichere Bewertung nahe.

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