Religionskritik: Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit


Image. Sam Harris The Blog
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Warum kämpfen die Menschen im Westen nicht für ihre Freiheit? Warum entwickeln sie keine Leidenschaft für Werte der Aufklärung? Dies fragt Carlo Strenger in seinem Essay „Zivilisierte Verachtung“. Der Psychologie-Professor aus Tel Aviv warnt: Wenn die Fähigkeit verloren geht, die eigene Lebensform zu verteidigen, ist der Weg frei für Rückwärtsgewandte.


Carlo Strenger im Gespräch mit Andreas Main|Deutschlandfunk

Andreas Main: Ein „schöner Essay“, schreibt die Süddeutsche Zeitung, ein „leidenschaftlicher Essay“. Geschrieben hat ihn Carlo Strenger, geboren 1958 in der Schweiz und auch dort aufgewachsen. Carlo Strenger ist Psychologie-Professor an der Universität Tel Aviv. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und schreibt regelmäßig für den britischen Guardian und Israels führende linksliberale Zeitung Haaretz. Carlo Strenger ist einer der prononciertesten regierungskritischen Stimmen in Israel. Das muss man wissen, wenn man seinen Essay liest, der im Frühjahr bei Suhrkamp erschienen ist. Der Titel: „Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit.“ Mit Carlo Strenger habe ich vor dieser Sendung gesprochen. Wir sind via Skype verbunden. Hallo, Herr Strenger.

Carlo Strenger: Hallo, Herr Main.

Main: Lassen Sie uns den Untertitel Ihres Buches ernst nehmen: Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit. Damit Sie uns wirklich anleiten können, muss erst einmal klar sein, worum es geht. Welche Freiheit wollen Sie verteidigt wissen?

Strenger: Ich will die Freiheit verteidigt wissen, die die westliche Welt in den letzten 400 Jahren auf ziemlich schmerzhafte Weise errungen hat. Die Freiheit, zu denken. Nach bestem Wissen und Gewissen zu kritisieren, wo man Kritik üben will. Und die Meinung in Ruhe und ohne Gefahr öffentlich zu äußern. In vielen Teilen der Welt ist es überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Ich denke, dass es gute Gründe gibt anzunehmen, dass die westliche Welt – speziell Europa – schon heute, doch sicher noch mehr in der Zukunft, in der nahen Zukunft, immer wieder in der Situation sein wird, in der diese Freiheit verteidigt werden muss.

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