Fantasy als Religion: Von Zwergen, Elfen und Zauberern


Szenenfoto „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ (dpa-Film / Warner)
Fantasy ist ein Genre, das – wie die Religionen – die elementaren Fragen des Lebens stellt. Die Helden der Geschichten begeben sich auf eine Reise, geraten in Lebensgefahr, werden geläutert und finden am Ende ihre ganz eigenen Antworten


Von Kirsten Dietrich|Deutschlandradio Kultur

Harry Potter: Waisenjunge, Schüler eines magischen Internats für Zauberei, Heilsbringer – und Star einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Fantasy-Serien der Welt. Sieben Bücher, acht Filme, hunderte Millionen Leserinnen und Zuschauer. Und eine Frage: Warum um Himmels Willen sind so viele Menschen dazu bereit, in fantastische Welten einzutauchen, in denen Werwölfe und Zentauren angehende Zauberer unterrichten oder ein sprechender Löwe ein magisches Reich erlöst, das man durch die Rückseite eines Wandschranks erreicht?

Matthias Hurst: „In der Fantasy sehen wir einen Akt der Kreativität, der Schöpfung. Tolkien sagt auch: fantasy is a human right, das ist quasi ein Menschenrecht, dass wir Fantasie und Imagination benutzen, weil wir selbst geschaffen wurden und weil wir eine kreative Spezies sind.2

Und deswegen ist Fantasy mitnichten nur etwas für Kinder, sondern viel mehr: ein Befindlichkeitsanzeiger des kollektiven Unbewussten, könnte man salopp sagen. Oder mit dem Literatur- und Filmwissenschaftler Matthias Hurst:

„All das, was uns fehlt in der realen Welt, oder von dem wir glauben, dass es uns fehlt, das muss ja nicht immer so sein, all das, Spiritualität, Emotionalität, der Glaube an Dinge, die größer, höher, schöner, bedeutender sind als der pure Schein, Industrialisierung, Oberfläche, Wirtschaft, Geld, Kapitalismus, all das erschaffen wir uns dann in unseren Fantasiewelten. Natürlich hat Fantasy auch deshalb so einen Boom erlebt, weil die Menschen zunehmend unzufriedener werden mit der Realität, in der wir leben.“

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