Thomas Mann verfolgte „Christlichen Humanismus“


Es ist müßig, Thomas Mann (1875-1955) als Schriftsteller zu würdigen; auch seine Größe als einer der einflussreichsten Literaten und Denker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist selbsterklärend. Schon schwieriger gestaltet sich da die Beschreibung des Humanismus, für den Thomas Mann stand.


kathweb

Thomas Mann, 1937 Foto von Carl van Vechten.  wikimedia.org/PD

Dieser – so die These des Göttinger Literaturwissenschaftlers und Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering – war vor allem in der Spätzeit Manns deutlich „religiös imprägniert“ und könne ohne Umschweife als „Christlicher Humanismus“ bezeichnet werden. Detering erörterte diese These am Sonntag in Salzburg in seinem Festvortrag zum Abschluss der heurigen „Salzburger Hochschulwoche“.

Doch der Weg zu diesem christlich imprägnierten Humanismus, den Mann vor allem in der Zeit des US-amerikanischen Exils in den 1940er Jahren in der „First Unitarian Church of Los Angeles“ entfaltete, war weit: „Humanismus war Thomas Mann eigentlich ein Gräuel“, so Detering im Blick auf den frühen Thomas Mann. Die Kritik entzündete sich vor allem an jenen Formen des Humanismus‘, die darunter ein „selbstsicheres Festhalten am klassischen Erbe“ des Humanismus verstanden. Erst 1913 tauchte daher das Wort Humanismus in einem Nachruf auf Manns Schriftsteller-Freund Friedrich Huch, in dessen Werken Mann einen „neuen Humanismus“ zu erkennen glaubte, der die bisherige humanistische Treffnung von Natur und Kultur, von Körper und Geist zu überwinden versuchte.

Diesem Ziel – nämlich dem Widerstand gegen jede „Erstarrung humanistischer Bildungskultur“ – blieb Mann zeitlebens verbunden, so Detering weiter – ebenso seinem Schopenhauer verdankten Argwohn jeder optimistischen Überhöhung des Menschenbildes und Weltverständnisses gegenüber. So zielte Mann in seinen Überlegungen zum Humanismus zunächst auf eine Verbindung einer weitgehend pessimistischen Weltsicht, die „vom Tode weiß“, mit einer bleibenden „Lebensfreundlichkeit“ – literarisch entfaltet finde man diese etwa im „Zauberberg“ (1924).

weiterlesen